„Schau deine Welt doch genau an,
Ja, hier, wo du schwimmst und lebst.
Voll Wunder siehst du das Blau, dann
Sag selbst, was du noch erstrebst.“
aus dem auf der Wasserebene beliebten Lied „Unter dem Meer“
Dritter Markttag von Decadrus, 126 HR
Am nächsten Morgen war der Himmel noch immer grau verhangen, doch zumindest hatte es aufgehört zu regnen. Als Morânia und Naghûl erwachten und sich in die Stube mit dem Kamin begaben, war Flip dort schon zugange, setzte Wasser für einen Tee auf und stellte erneut Brot, Käse und eine Schale mit kleinen, geräucherten Fischen auf den Tisch. Sie versuchten dies ebenso wie der bereits anwesende Kiyoshi freundlich abzuwehren. Die Gegend war karg und einsam genug und Flip hatte daher wahrscheinlich keine überquellende Vorratskammer. Doch der alte Mann ließ es sich nicht nehmen, sie zu bewirten und natürlich wollten sie seine warmherzige Gastfreundschaft auch nicht unhöflich zurückweisen. Sie beschlossen daher, ihm später als Dankeschön ein wenig von ihrem Reiseproviant in die Küche zu legen. Kurz darauf kamen auch Sgillin und Jana herein, und als letzte dann Lereia, die als Wertigerin stets sehr viel schlief. Während des Frühstücks warfen sie noch einmal einen Blick in die Karte von Divicarus Laeryn und sprachen einige mögliche Routen zur Spitze durch.
Danach packten sie ihre Sachen zusammen und nahmen ihre Mäntel, die Dank der Wärme von Flips Kaminfeuer wieder getrocknet waren. Sie hatten zudem ein kleines Päckchen mit Überraschungen für den alten Mann zusammengestellt, ganz wie er es sich am Vorabend gewünscht hatte. Zum einen hatten sie ihm haltbare Nahrung aus ihren Vorräten in ein sauberes Tuch eingeschlagen: dunkles Hartbrot aus Bytopia, das nach Kräutern und Nüssen schmeckte; getrocknete Feigen aus Arborea; geräucherte Trichafleisch-Streifen, eingerieben mit Pfefferbeeren, um sie noch haltbarer zu machen; ein Beutelchen Salz von der Salzebene und eine Flasche Goldwein von Celestia. Dazu packten sie noch ein paar Heilkräuter und Heiltränke und schließlich legte jeder noch etwas Persönliches dazu: Kiyoshi hinterließ den Rest des Kabusecha-Tees, Morânia eine Feder aus einem ihrer Flügel, an die sie ein kleines Sonnenamulett band, und Lereia einen glatten Glücksstein mit dem Symbol ihrer Göttin Eldath, den sie noch aus ihrer Zeit im Kloster besaß. Was Jana tat, überraschte und rührte Morânia: Die Hexenmeisterin holte ein Blatt Papier und einen Kohlestift aus ihrem Rucksack und skizzierte etwas. Als die Zeichnung Gestalt annahm, waren die sechs Erwählten zu erkennen, wie sie mit Flip am Kamin saßen und sangen. Morânia schenkte Jana ein aufrichtiges, warmes Lächeln ob des Geschenkes. So schroff und verschroben die Hexenmeisterin auch manchmal war, im Umgang mit Armen, Kranken, Alten oder Waisen kam stets eine fürsorgliche Seite von ihr zum Vorschein. Auch Naghûl nickte lächelnd, dann drehte er die Zeichnung um und schrieb auf die Rückseite die Texte der beiden Lieder des Vorabends samt Noten. Sie wussten nicht, ob Flip Noten lesen konnte, doch für den Fall dass ja, so hatte er nun zusätzlich zum Text auch die Melodie. Zu guter Letzt legte Sgillin noch seine Panflöte dazu. Ganz unten auf den Rand des Bildes schrieb Morânia nach kurzer Überlegung: Danke, dass Ihr für einen Abend Teil unserer Reise wart, Flip. Sgillin huschte kurz unbemerkt in die Küche und legte das Paket dort für den alten Mann ab, ehe sie das kleine Haus verließen.
Draußen reparierten Kiyoshi und Morânia den kaputten Fensterladen und Flip dankte ihnen überschwänglich. Es war an sich keine große Sache, aber alleine wäre die Instandsetzung für den alten Mann wohl tatsächlich anstrengend und schwierig gewesen.
Als sie fertig waren, fuhr Flip sich durch das graue Haar. „So, soll ich Euch dann mal das Ufer zeigen? Ihr meintet ja, dass Ihr dahin wollt, oder?“
„Nur wenn es Euch keine Umstände macht“, erwiderte Naghûl. „Ich denke, wir würden es schon finden.“
„Oh, das ist schon in Ordnung“, versicherte Flip. „Na, dann kommt mal mit.“
Er schlurfte einen schmalen Weg entlang, der um sein Haus herum und zu einem weiteren, größeren Gebäude führte. Hinter der Hütte befand sich ein kleiner, abgezäunter Garten mit einem Apfelbaum, in dem einige Beete angelegt waren und wo zwei Ziegen grasten. Sie waren offenbar die Quelle des Käses, den Flip ihnen angeboten hatte.
„Besitzt Ihr eigentlich Boote?“, fragte Jana. „Hier wurde doch sicher früher gefischt?“
„Nicht mehr“, erwiderte der alte Mann. „Ich hatte mal ein kleines Ruderboot, aber einer der letzten Stürme hat es losgerissen und weggetrieben. Weiß noch nicht, ob ich wieder eines baue oder einfach vom Ufer aus fische. Man wird ja auch nicht jünger, Ihr versteht.“ Dann deutete er auf das größere Haus, das sie nun passierten. „Da, das war der Schwarze Fisch.“
Das Gebäude aus Holz war zweistöckig, etwas stabiler und etwa dreimal so groß wie Flips Haus. Einige der Fensterscheiben waren zerbrochen und an einer Stelle klaffte ein großes Loch im Dach. Über der Tür baumelte tatsächlich noch ein Schild, aber der Name des einstigen Wirtshauses war durch Wind und Wetter inzwischen fast unleserlich geworden.
„Hat der Name einen besonderen Hintergrund?“, fragte Naghûl interessiert.
Flip nickte. „Oben auf dem Dach war mal ein Fossil von einem alten Fisch, aus sehr dunklem Stein. Hat der Wirt aber mitgenommen.“
Hinter dem Wirtshaus waren noch eine Handvoll weiterer Gebäude zu sehen, alle in ähnlich marodem Zustand wie die Taverne.
„Es muss hier früher ziemlich viele Reisende gegeben haben“, stellte Jana verwundert fest, als sie ihren Blick über die Reste der kleinen Ansiedlung schweifen ließ.
Flip blieb kurz stehen und folgte dem Blick der Hexenmeisterin. „Ja, das fing so vor hundert Jahren an, hab ich mir sagen lassen. Da war hier immer was los: Forscher, Abenteurer, Glücksritter ... Aber vor etwa dreißig Jahren flaute es ab und dann kam irgendwann fast gar keiner mehr.“
Jana runzelte nachdenklich die Stirn. „Und was haben die alle hier gesucht, wisst Ihr das? Und warum bleiben sie jetzt fern?“
„Manche haben diese Ruinen gesucht“, erklärte Flip. „Andere nach Schätzen oder Artefakten. Die, die hier mehr wollten, als wilden Gerüchten nachgehen, die eine echte Mission hatten, redeten natürlich nicht viel darüber. Warum dann immer weniger Leute herkamen, kann ich nicht sagen. Vielleicht sprach sich herum, dass es zu gefährlich ist, hier nach etwas zu suchen. Oder dass es eben doch nur Gerüchte sind.“ Er hob die dürren Schultern, um anzudeuten, dass er auch nicht mehr darüber wusste.
Unterdessen war Sgillin ein wenig näher an die verlassene Taverne herangetreten und musterte die Tür, die offensichtlich nur angelehnt war und leicht schief in den Angeln hing. „Ich würde gerne mal reinschauen“, erklärte er. „Wenn da so viele Reisende unterwegs waren, vielleicht hat einer was da gelassen.“
„Schaut nur rein“, meinte Flip. „Aber ich denke, viel ist da nicht mehr zu finden.“
Sgillin nickte dankend, öffnete die verwitterte Tür und verschwand im Inneren des Gasthauses.
Während sie warteten, ließ Morânia ihren Blick einmal mehr über die nunmehr fast verlassene Ansiedlung schweifen. Es war merkwürdig, dieses kleine Dörfchen hier so nah am Fuß der Spitze zu finden, auch wenn inzwischen außer Flip niemand mehr hier wohnte. Doch noch merkwürdiger war es, dass vor etwa einem Jahrhundert so viele Forscher wie auch Schatzsucher hier nach den Ruinen gesucht hatten, die offenbar einst Arendur gewesen waren. Woher hatten sie davon gewusst? War einfach nur ein Ebenen-Reisender zufällig darüber gestolpert und hatte die Geschichte dann verbreitet? Oder steckte mehr dahinter?
„War außer uns in letzter Zeit jemand hier?“, erkundigte Morânia sich. „Eine andere Reisegruppe oder vielleicht sogar mehrere?“
Flip schüttelte den Kopf. „Nein, außer Euch war hier schon seit Monaten keiner mehr. Oder eher seit ... na, bestimmt über einem Jahr nicht.“
„Das muss sehr einsam sein“, meinte Lereia mitfühlend.
„Ja, manchmal schon“, erwiderte Flip. „Hab auch mal überlegt, von hier wegzugehen. Ich weiß von einem Portal nach Sigil in der Nähe. Das hat mir der Sinnsat gezeigt, von dem ihr gesprochen habt. Auch den Schlüssel. Aber irgendwie ... weiß nicht. Ist einsam hier, ein bisschen trist und schon auch unpraktisch mit der Spitze so nah. Weil nichtmal ein einfacher Lichtzauber funktioniert. Aber es ist meine Heimat und irgendwie denk ich, ich bin zu alt, um mich nochmal woanders einzugewöhnen.“
Morânia nickte verständnisvoll. Sie selbst war bereits knapp über hundert, alterte dabei jedoch nicht, daher konnte sie sich nicht wirklich vorstellen, wie es war, alt zu sein. Doch sie nahm an, dass es ab einem gewissen Punkt tatsächlich leichter sein mochte zu bleiben als zu gehen.
Dann kehrte Sgillin aus der verlassenen Taverne zurück. „Drinnen ist alles sehr verstaubt“, erklärte er. „Wie eben in einem seit Jahrzehnten leerstehenden Gebäude. Vieles ist aber noch intakt, in den Regalen steht noch mit Spinnweben bedecktes Geschirr und so. Ich hab nur das hier gefunden.“ Er zeigte eine kleine Nixenfigur aus Bronze und sah zu Flip. „Darf ich die als Andenken behalten?“
„Sicher, nehmt sie nur“, antwortete der alte Mann freundlich. „Ich freu mich, wenn Ihr ab und zu mal an diesen kleinen Ort hier denkt.“
Sgillin nickte dankend und sah noch einmal zu dem verlassenen Gebäude, während er die kleine Statuette einsteckte. „Schade drum ... war bestimmt mal eine schöne Taverne.“
„Ja, war ein lustiger Laden“, meinte Flip. „Bisschen verrucht, aber an sich nicht übel.“
„Na ja, verrucht ist ja nicht unbedingt schlecht“, erwiderte der Halbelf mit einem Zwinkern.
„Für dich nicht“, entgegnete Morânia grinsend.
Sie setzten ihren Weg fort und bereits nach wenigen Minuten erklommen sie einen kleinen Hügel, der den spitzewärtigen Rand der keinen Ansiedlung bildete. Und tatsächlich, wie es auf der Karte eingezeichnet war und wie auch Flip es gesagt hatte, erstreckte sich nun vor ihnen eine weite Wasserfläche in alle Richtungen. Ein leichter, kühler Wind kräuselte die Oberfläche und auch hier zogen einige der Flugechsen ihre Kreise, die in der Gegend recht häufig zu sein schienen. Eindeutig handelte es sich hier nicht um einen großen See, sondern tatsächlich um ein Meer, denn man hörte die leise Brandung ans Ufer schlagen und schmeckte Salz in der Luft. Und inmitten dieses Ozeans erhob sich die Spitze, noch ein kleines Stück näher nun als am Vortag. Sie war so nah, dass sie fast bedrohlich wirkte, und dennoch sah man bis nach oben, sah den Ring, sah Sigil …
„Irgendwie erschreckend und doch faszinierend“, murmelte Naghûl und sah andächtig hinauf.
„Ja“, stimmte Morânia zu. „Ein unglaublicher Anblick. Es hat etwas … etwas Sakrales, irgendwie, obgleich die Götter hier keinerlei Macht mehr haben.“
Lereia und Sgillin nickten nur schweigend und sahen nachdenklich nach oben, während Kiyoshi die Hände vor der Brust faltete und sich kurz verneigte, vielleicht um etwaige Kami der Spitze zu ehren.
„Man kommt sich so klein vor“, sagte Jana leise. „Wenn ich bedenke, dass ich irgendwo da oben wohne. Meine Güte …“
Flip folgte ihren Blicken und seufzte etwas. „Von dieser Stelle aus sind viele gestartet. Ich hoffe, Ihr seid glücklicher als die meisten von ihnen. Aber ohne Boot oder Luftschiff wird es schwierig, glaube ich. Ihr müsst wohl am Ufer lang.“
„Wir haben eine Möglichkeit, uns unter Wasser fortzubewegen“, erklärte Lereia.
„Ah, natürlich. Ihr seid vorbereitet auf Eure Mission.“ Der alte Mann lächelte wehmütig. „Dann viel Erfolg und passt gut auf Euch auf.“
„Das werden wir“, versprach Lereia. „Habt vielen Dank, Flip. Für alles.“
„Ich wünsch Euch das Beste“, erwiderte der Alte. „Solltet Ihr auf dem Rückweg wieder hier vorbeikommen, vergesst nicht anzuklopfen, damit ich weiß, dass es Euch gut geht.“
Naghûl nickte. „Auf jeden Fall. Und wenn wir wieder kommen, dann bringen wir Euch etwas mit, irgendeine Kuriosität aus den Ruinen.“
Flip lächelte, winkte noch einmal zum Abschied und schlurfte dann mit einem leichten Seufzen davon. Offenbar wollte er nicht bleiben, um zu sehen, wie eine weitere Gruppe auf dem Weg zur Spitze ihrem Verderben entgegen ging. Auch wenn er es nicht so direkt gesagt hatte, war ihm deutlich anzumerken gewesen, dass er genau dies befürchtete. Die Erwählten sahen ihm noch eine Weile nach, bis er um die nächste Hausecke verschwand, dann wandten sie ihre Blicke wieder dem Meer zu.
„Überall Wasser“, stellte Morânia fest. „Genau wie auf der Karte eingezeichnet.“
Sgillin nickte Kiyoshi zu. „Na, dann hol mal die Krabbe raus.“
Während der junge Soldat seinen Rucksack abstellte und die rechteckige Kiste auspackte, die Lereia von Ambar bekommen hatte, trat Jana unruhig von einem Fuß auf den anderen.
„Aber wenn Magie an der Spitze nicht funktioniert …“ Die Hexenmeisterin sah unglücklich zu Lereia. „Sagtest du nicht, der Apparat sei arcano-mechanisch?“
„Das stimmt“, bestätigte die junge Frau. „Zur Herstellung wurde Magie benötigt. Sonst hätte man den Apparat nicht so konstruieren können, dass er in die Kiste passt. Aber die Konstruktion an sich ist rein mechanisch.“
„Und was machen wir, wenn wirklich alles unter Wasser ist?“, meinte Jana. „Die kompletten Ruinen? Wir kommen doch nur an Land wieder aus der Krabbe raus.“
„Das können wir uns überlegen, wenn es soweit ist“, meinte Sgillin in seiner unbekümmerten Art.
Lereia nahm die Kiste von Kiyoshi entgegen, blickte aber nochmals fragend in die Runde. „Wollen wir es also wagen mit dem Apparat? Ich habe den Eindruck, nicht alle sind davon überzeugt.“
„Die Ruinen scheinen unter Wasser zu sein“, meinte Naghûl und hob die Schultern. „Wir müssen also wohl oder übel durchs Wasser dorthin.“
Sgillin nickte. „Und wenn wir nicht schwimmen wollen, bleibt nur die Krabbe.“
„Ja, ich weiß, es hilft nichts.“ Jana seufzte tief. „Anders kommen wir wohl nicht weiter.“
„Ich bin auch dafür“, erklärte Morânia. „Wir haben keine andere Möglichkeit, denke ich.“
Lereia stellte die Kiste nun vor sich auf dem Boden ab. „Fall es dich tröstet, Jana: Ich vertraue dem Konstrukt meines Bundes. Ambar hätte es uns bestimmt nicht mitgegeben, wenn es nicht einwandfrei funktionieren würde.“
„Das denke ich auch“, sagte Morânia und trat einige Schritte zurück, um für die Entfaltung des Krabbenapparates genügend Platz zu lassen. Die anderen folgten ihrem Beispiel.
„Klar, hol raus den Krebs“, meinte Naghûl, sichtlich voller Vorfreude auf diese Erfahrung, die ihm in seiner Sammlung bisher noch fehlte.
Morânia schmunzelte wie so oft über die fast kindliche Begeisterung ihres Mannes. Doch musste sie zugeben, dass auch sie selbst aufgeregt war. Eine Reise über den Meeresgrund in einer mechanischen Riesenkrabbe war ebenso ungewöhnlich wie spannend. Sie spürte den Kitzel jener Abenteuerlust, die sie gemeinsam mit Naghûl, ihrer Schwester Raralia und ihren alten Freunden auch früher schon so häufig in die Ebenen geführt hatte. Lereia öffnete nun die am Boden stehende Kiste und trat dann ebenfalls ein paar Schritte zurück. Sobald der Deckel aufgeklappt war, begann der Behälter heftig zu wackeln und machte sogar einen kleinen Hüpfer dabei. Dann entfalteten sich Hebel, Zangen, Beine, Zahnräder ... alles so kunstvoll konstruiert, dass es unvorstellbar verschachtelt ineinander passte. Die Konstruktion bestand aus dünnsten Metallplatten, die sich beim Entfalten aneinander fügten und verbanden, so dass sich ein großes Gebilde aufschachtelte. Es war kaum vorstellbar, dass all dies in die kleine Kiste gepasst hatte. Nach etwa einer Minute stand es dann fertig da: eine riesige Krabbe aus Metall, mit Beinen, Scheren und einer Einstiegsluke auf dem Rückenpanzer. Während Lereia der Entfaltung offenbar nicht das erste Mal beiwohnte, machten alle anderen große Augen und musterten beeindruckt den nun am Ufer stehenden Krabbenapparat.
„Nicht schlecht“, meinte Morânia schließlich anerkennend. „Und du weißt, wie das Ding funktioniert?“
Lereia nickte. „Ambar hat es mir gezeigt. Ich hatte allerdings nicht die Zeit, viel zu üben.“
„Das machst du schon“, meinte Naghûl zuversichtlich.
Während Kiyoshi auf den Panzer der Krabbe kletterte, um die Einstiegsluke zu öffnen, lief Sgillin zum Ufer, schnitt einige hohle Schilfrohre ab und verstaute sie in einer seiner Taschen.
„Ah, ich ahne es“, meinte Morânia. „Falls wir ungesehen unterhalb der Wasseroberfläche schwimmen müssen. Gute Idee.“
Dann kletterten sie alle auf den Panzer der Krabbe, wobei sie Scheren und Beine als Tritthilfen nutzten. Obgleich die Metallplatten unglaublich dünn waren, damit alles in die Kiste passte, wirkte das Konstrukt erstaunlich stabil. Morânia nickte beeindruckt und sah, dass auch Kiyoshi, der den Apparat mit dem prüfenden Blick eines Schmieds musterte, anerkennend nickte. Man musste der Handwerkskunst der Göttermenschen hohe Achtung zollen. Im Inneren der Krabbe war es ziemlich eng, aber sie passten alle sechs mitsamt ihrem Gepäck hinein, immer zwei nebeneinander. Morânia erkannte einige Hebel zur Steuerung, einen Tiefenmesser in Form eines Korkens in einem Glasrohr und einige Getrieberäder. Vorne und seitlich konnte man durch kleine Scheiben hinaussehen, jede einzelne nicht größer als die ursprüngliche Kiste. Lereia hatte ganz vorne hinter einigen Hebeln Platz genommen und Naghûl saß neben ihr. In der Mitte befanden sich Morânia und Jana, während Kiyoshi und Sgillin hinten saßen. Der junge Soldat zog die Luke zu, nachdem der Halbelf als Letzter hineingeklettert war.
„Ich kontrolliere das Absinken und Auftauchen mit Hilfe der Tauch- und Auftriebsschraube“, erklärte Lereia. „Außerdem steuere ich die linken Vorderbeine. Naghûl, du wirst mit diesen Hebeln hier die rechten Vorderbeine bewegen.“
„Oh, wirklich?“ Morânia sah die Augen ihres Mannes glänzen wie die eines Kindes am Tag der Gnade. „Großartig! Das bekomme ich sicher hin!“
„Aber jetzt noch nicht“, meinte Lereia schmunzelnd. „Wir müssen erst durch das Belüftungsrohr hier die Tanks mit Luft befüllen, das dauert ein paar Momente. Unsere Atemluft reicht dann für etwa fünf Stunden.“ Sie betätigte ein Ventil an einem längeren Rohr, und sofort war ein leises Zischen zu vernehmen, als von außen frische Luft in die dafür vorgesehenen Tanks strömte.
Währenddessen drehte Lereia sich zu Morânia um. „Du könntest den Tintenhebel übernehmen. Sollte sich uns etwas Großes nähern, können wir damit eine Tintenwolke ausstoßen und fliehen. Da wir diesen Hebel aber nur im Notfall brauchen, könntest du zusätzlich noch die rechte Schere der Krabbe steuern, um mögliche Hindernisse aus dem Weg zu schaffen. Das funktioniert über diesen Hebel hier.“
„Alles klar.“ Morânia prägte sich ein, welcher der Tintenhebel war und legte dann beide Hände an die Steuerung für die Schere. „Das klingt spannend.“
„Was soll ich tun?“, fragte Jana, sichtlich bemüht, ihr Unwohlsein unter Kontrolle zu halten.
„Du steuerst die linke Schere. Behalte außerdem den Lufttank im Auge.“ Lereia deutete auf eine Glasröhrchen-Anzeige. „Damit wir nicht die Zeit vergessen, wann wir auftauchen und die Tanks neu befüllen müssen.“ Dann drehte sie sich zu Sgillin und Kiyoshi. „Es gibt weiterhin Steuerhebel für die hinteren Füße. Darum könntet ihr beide euch kümmern.“
„Wenn Ihr das für weise haltet, ehrenwerte Lady Lereia-hiheika“, antwortete Kiyoshi mit unbewegter Miene.
„Ach, natürlich ist das weise“, meinte Sgillin gut gelaunt. „Ich nehm die linken Beine.“
Morânia sah über die Schulter zu Kiyoshi, der neben dem Hebel für die rechten Hinterbeine saß. „Da wir uns unter Wasser bewegen, wird nun der Spitze-Kompass nützlich sein.“
Der junge Mann nickte und reichte den Kompass nach vorne durch. „Hier, bitte sehr.“
„Oh, sehr gut. Hier ist eine entsprechende Vorrichtung dafür.“ Lereia nahm den Kompass entgegen und setzte ihn in die runde Vertiefung neben dem Rad für die Auftriebsschraube ein. „Jana, sind die Lufttanks gefüllt?“
Die Hexenmeisterin nickte. „Ja, sind voll.“
„Dann wird es jetzt spannend.“ Lereia atmete tief durch. „Naghûl, Kiyoshi, Sgillin … wir betätigen nun die Beine und lenken die Krabbe auf das Meer zu. Ich benutze die Schraube zum Abtauchen, sobald wir weit genug im Wasser sind.“
„Aye, aye!“, rief Naghûl begeistert. „Festhalten! Es geht los!“
Er betätigte die Hebel für die vorderen rechten Beine, war bei allem Enthusiasmus aber relativ behutsam, um erst einmal ein Gefühl für den Apparat zu bekommen. Lereia bewegte die linken Vorderbeine, Kiyoshi und Sgillin die Hinterbeine, und tatsächlich: Mit einem Ruck setzte sich der Krabbenapparat in Bewegung. Die ersten Schritte waren noch staksig und unbeholfen, wodurch die Passagiere ein wenig durchgerüttelt wurden. Doch dann koordinierten Lereia, Naghûl, Kiyoshi und Sgillin die Vorder- und Hinterbeine erstaunlich gut, so dass der Krabbenapparat relativ sicher und stabil ins Wasser watete. Morânia spürte, wie das Metall der Hülle kühler wurde, sobald es unter die Oberfläche tauchte. Durch die kleinen Scheiben vorne und an den Seiten sahen sie bald das Wasser steigen und den Himmel verschwinden. Sobald die gesamte Krabbe untergetaucht war, konnten sie durch die Sichtluken erkennen, dass der Apparat durch weichen, fast weißen Sand stakste. Das Wasser war noch nicht allzu tief, vielleicht drei bis vier Schritt, doch geradeaus ging es allmählich bergab. Draußen sahen sie nun eine Unterwasserwelt wie aus Büchern oder Sinnsteinen oder wie man sie auch von der Wasserebene kannte: Bunte Fischschwärme zogen an dem großen Apparat vorbei, Seepferdchen, Quallen ... In einiger Entfernung konnten sie einen großen Pfeilhecht erkennen, und überall wiegten sich sacht der Seetang und die Wasserpflanzen.
Lereia spähte fasziniert durch eine der vorderen Scheiben hinaus. „Wie wunderschön es hier unter der Wasseroberfläche ist.“
Morânia lächelte. „Ja, das ist es wirklich.“
Zwischen den Meerespflanzen wuchsen bereits in dieser Tiefe erste Korallenformationen, manche in warmen Farben wie in tropischen Meeren, andere in bleichem Silber, tiefem Blau und mattem Violett. Manche erinnerten an verzweigte Geweihe, andere an spiralförmige Türmchen. Schwärme von kleinen Fischen glitten lautlos dazwischen hindurch, ihre Körper schimmerten von innen heraus, als trügen sie winzige Sterne in sich.
Nachdem sie sich einige Minuten Zeit genommen hatten, um sich an die fremdartige und doch märchenhafte Umgebung draußen zu gewöhnen, wandte Morânia sich an ihren Mann. „Naghûl, ist für diesen Bereich hier auf der Karte etwas verzeichnet?“
„Ähm ... Moment.“ Naghûl wühlte in seiner Tasche und fischte die Karte heraus. Aufgrund der Enge in dem Krabbenapparat war es nicht ganz einfach, sie zu entfalten. Dann studierte Naghûl die eingezeichneten Gebiete eine Weile, bis er schließlich nickte. „Ja, ist eingetragen. Wird hier als Innerer Ringsockel bezeichnet.“
Lereia warf einen kurzen Blick in die Karte. „Das heißt?“
„Keine Ahnung, was das heißt. Sind halt Namen.“ Naghûl hob die Schultern und wirkte eher ratlos. „Das Gebiet dahinter nennt sich dann Innere Ringsenke.“
„Das bedeutet wahrscheinlich, dass es dort tiefer nach unten geht“, mutmaßte Morânia.
Sgillin klopfte ein wenig gegen die Innenseite des Krabbenpanzers. „Bis zu welcher Tiefe ist das Ding denn wasserdicht?“
„Bis zu tausend Schritt“, erklärte Lereia. „Wir haben also noch etwas Luft. Oder Wasser“, setzte sie schmunzelnd hinzu.
„Tausend Schritt?“ Der Halbelf pfiff leise durch die Zähne. „Beeindruckend.“
„Wieso?“, fragte Jana stirnrunzelnd. „Was spielt denn die Tiefe für eine Rolle dabei, ob das Ding wasserdicht ist oder nicht?“
„Wegen des Wasserdrucks, Herzblatt“, erklärte Sgillin. „Irgendwann wird man zerdrückt, wenn man zu tief unter Wasser ist.“
Während Jana mit deutlichem Unbehagen nickte, reichte Naghûl die Karte zu seiner Frau nach hinten. „Kannst du die Karte lesen? Ich muss ja steuern.“
Morânia nahm sie entgegen und nickte. „Kann ich machen.“ Sie studierte die eingezeichneten Gebiete, die in unterschiedlichen Blautönen gehalten waren. „Ich würde sagen, mit Blick auf den Spitze-Kompass ... dass wir vom Inneren Ringsockel in die Innere Ringsenke runter müssen.“
„Dann hoffen wir, dass diese Senke nicht tiefer als tausend Schritt ist“, meinte Lereia. „Wir können übrigens nur aus eigener Kraft wieder bis zur Oberfläche auftauchen, wenn wir nicht tiefer als fünfhundert Schritt sind.“
Morânia blickte von der Karte auf. „Wir haben einen Tiefenmesser, oder?“
„Ja, hier.“ Lereia deutete auf die Glasröhre mit dem Korken direkt neben dem Rad für die Auftriebsschraube.
„Also gut.“ Morânia spähte über Naghûls Schulter hinweg durch das vordere Sichtfenster. „Dann steuert mal einfach geradeaus.“
Ihr Mann nickte mit großen glänzenden Augen und betätigte die Hebel für die rechten Vorderbeine der Krabbe. Lereia, Sgillin und Kiyoshi taten dasselbe mit den anderen Beinen und bemühten sich dabei, sich so gut wie möglich aufeinander einzustellen. Nachdem die vier den Apparat auf diese Weise bereits erfolgreich vom Ufer ins Wasser gebracht hatten, steuerten sie ihn nun erstaunlich sicher durch den weichen Sand. An manchen Stellen trieben dichte Schwärme winziger Fische dahin, und wenn der Krabbenapparat sich näherte, stoben sie auseinander wie glitzernder Staub und formten für wenige Augenblicke wirbelnde Muster, die fast absichtsvoll wirkten. Einmal glitt ein fast zwei Schritt langes Wesen über ihnen vorbei, langsam und majestätisch. Sein Körper erinnerte entfernt an einen Rochen, doch zog es zahllose, leuchtende Fäden hinter sich her, die wie Sternbilder im Wasser glommen. Für einen Moment tauchte das Wesen die gesamte Umgebung in ein sanftes bläuliches Licht.
Nachdem sie eine Weile schweigend in dem Krabbenapparat gesessen und aus den Fenstern geschaut hatten, bewegte Jana immer wieder unruhig ihre Arme und Beine. „Ich finde es ein wenig eng, irgendwie. Was glaubt ihr, wie lange wir hier drin bleiben müssen?“
Sgillin hob die Schultern. „Bis wir da sind. Wo auch immer das sein mag.“
„Ich hoffe, nicht zu lange“, fügte Lereia beruhigend hinzu. „Ich vertraue der Konstruktion, aber im Freien fühle ich mich auch wohler, Jana.“
„Ach was, das ist doch toll!“ Naghûl wirkte immer begeisterter.
Morânia schmunzelte über seine Euphorie, konnte Jana jedoch gut verstehen. Das Innere des Krabbenapparates war sehr eng für sechs Personen mit Gepäck, und das Wissen, sich komplett unter Wasser zu befinden, verstärkte das Gefühl des Eingesperrtseins natürlich noch. Trotz der märchenhaften Unterwasserwelt draußen war es nachvollziehbar, dass die Situation ein mulmiges Gefühl verursachen konnte. Morânia sah zwischen der Karte und dem Kompass hin und her. „Ich glaube, bald müsste diese Senke kommen.“
„Wir können noch umkehren“, sagte Lereia mit Blick zu Jana. „Ich entscheide das hier nicht alleine.“
„Nix da!“, meinte Sgillin energisch. „Weiter geht’s.“
Naghûl nickte begeistert. „Für die Erfahrung! Los!“
Jana spähte etwas unglücklich nach draußen. „Ich meine ja nur … ihr könnt euch doch sicher alle vorstellen, wie das ist, da unten im Dunkeln zu sitzen und nicht mehr hinauf zu können? Nie mehr?“
„Immerhin kein ehrloser Tod“, stellte Kiyoshi sachlich fest.
Naghûl nickte. „Jawohl, das ist die richtige Einstellung.“ Sein Tonfall klang durchaus ernsthaft und aufrichtig.
„Sehen wir es als Prüfung.“ Lereia gab sich offenbar große Mühe, ruhig zu klingen, doch eine gewisse Anspannung lag dennoch in ihrer Stimme. „So lange wir nicht tiefer als fünfhundert Schritt kommen, können wir zudem jederzeit auftauchen.“
„Nicht lange nachdenken“, meinte Morânia entschlossen. „Tun wir es!“
Jana schloss kurz die Augen. „Ich vertraue einfach auf das Große Unbekannte. Los weiter, bevor ich es mir anders überlege!“
Sgillin grinste. „Was willst du machen, wenn du es dir anders überlegst? Aussteigen?“
Morânia gab ihm einen tadelnden Stups und der Halbelf verstummte, wirkte aber weiterhin eher erheitert als besorgt. So steuerten sie den Krabbenapparat weiter über den Meeresboden, in einer Tiefe von inzwischen etwa zwanzig Schritt, laut Tiefenmesser. Hier war es noch relativ hell und die Umgebung daher weiterhin gut zu erkennen. Dann sahen sie vor sich einen dunkleren Streifen. Beim Näherkommen erkannten sie, dass dies der Übergang vom Inneren Ringsockel zur Inneren Ringsenke sein musste: Dort ging es relativ plötzlich und abrupt offenbar ein ganzes Stück in die Tiefe.
„Also dann.“ Lereia atmete tief durch. „Hinunter?“
„Laut Karte und Kompass ist das der Weg zur Spitze“, bestätigte Morânia.
„Dann los“, meinte Sgillin. „Hilft ja nichts.“
Naghûl nickte begeistert, Kiyoshi sachlich und Jana unglücklich, doch niemand erhob Einwände. So steuerten sie den Krabbenapparat entschlossen auf den Unterwasser-Abgrund zu. Langsam, aber beharrlich stakste er über die Kante und sank dann wie ein riesiger Felsbrocken. Rasch wurde es merklich dunkler und kühler. Im Gegensatz zu der farbenfrohen Umgebung des Ringsockels, wo die Wasseroberfläche noch in beruhigender Nähe gewesen war, umfing sie nun die wirkliche Tiefe des Ozeans. Jetzt wurde es auch Morânia ein wenig mulmig, als sie tiefer und tiefer sanken. Zu allem Überfluss war das Gewicht im Inneren der Krabbe nicht gleichmäßig verteilt, und so kippte der Apparat langsam, aber sicher nach rechts. Kiyoshi, der es bemerkte und auf der rechten Seite saß, lehnte sich sofort so weit wie möglich nach links zu Sgillin hinüber. Morânia tat es ihm gleich und tippte den vor ihr sitzenden Naghûl an, gab ihm ein Zeichen, sich zu Lereia hinüber zu lehnen. Dadurch stabilisierte der Apparat sich tatsächlich und sank mit dem Bauch voraus weiter hinab. Morânia warf einen Blick auf den Tiefenmesser: Er zeigte etwa hundertsiebzig Schritt an.
Naghûl starrte fasziniert durch die Luke auf Lereias Seite, während er sich hinüberbeugte. „Das ist, als würde man regelrecht in die Nacht eintauchen.“
Der Krabbenapparat sank und sank, inzwischen war es völlig dunkel und wurde noch merklich kühler. Selbst mit Dunkelsicht war nicht mehr zu erkennen, was der Tiefenmesser anzeigte.
„Sollen wir vielleicht das Licht anmachen?“, fragte Sgillin.
„Vielleicht keine schlechte Idee“, meinte Morânia. „Ich kann da draußen inzwischen wirklich gar nichts mehr erkennen. So haben wir keinerlei Orientierung.“
„Und wenn wir damit auf uns aufmerksam machen?“, gab Jana zu bedenken.
Kiyoshi nickte ernst. „Ausnahmsweise muss ich Jana beipflichten. Wenn wir Licht machen, lenken wir damit nicht die Aufmerksamkeit aller Wesen hier unten auf uns? Zum Beispiel die riesiger Kraken mit metallschneidenden Schnäbeln.“
„Hm …“ Lereia wiegte nachdenklich den Kopf.
Während sie über diese Frage nachdachten, durchbrach plötzlich ein langgezogenes Geräusch die Stille, das ihnen allen durch Mark und Bein fuhr. Es knirschte an der linken Seite des Apparates, als ob die Krabbe an etwas entlang schrammte …
„Oh verdammt“, entfuhr es Lereia. „Ich glaube, wir brauchen das Licht, wenn wir sehen wollen, an was der Apparat gerade anstößt.“
Morânia nickte. „Ich bin auch für anschalten.“
Lereia betätigte einen Kippschalter, der eine Verdeckung vor einer kleinen Kammer zur Seite schob. In deren Innerem befand sich ein leuchtender Kristall, der nun einen Lichtkegel nach außen warf und auch das Innere der Krabbe in ein schummriges, gelbes Licht tauchte. Es handelte sich nicht um einen Lichtzauber, sondern um einen natürlich leuchtenden Sonnenkristall von der Strahlungsebene. Sofort blickten Lereia, Jana und Sgillin, die links saßen, aus den Luken, um zu erkennen, an was die Krabbe entlang schrammte.
„Da scheint eine Art großer Felsen oder Riff zu sein“, erklärte der Halbelf. „Hat ziemlich spitze Zacken. Das sieht … ungut aus, um es mal milde auszudrücken.“
Lereia schien fieberhaft nachzudenken. „Vielleicht können wir mit der linken Schere und den linken Beinen versuchen, uns von dem Felsen abzustoßen.“
„Versuchen wir es“, meinte Sgillin und brachte mit seinem Hebel die linken Hinterbeine in Position.
Jana versuchte, die linke Schere entsprechend auszurichten und Lereia tat dasselbe mit den linken Vorderbeinen. Tatsächlich gelang es ihnen, den Krabbenapparat von den ersten zwei Zacken abzustoßen. Doch dann konnten sie die Beine und die Schere nicht mehr genügend koordinieren. Die Krabbe stieß hart gegen einen Felsvorsprung und geriet ins Trudeln. Sie drehte sich einmal um die eigene Achse, schlingerte und taumelte wild im Wasser.
„Wir hätten ... mit dem Ding vielleicht ... vorher mal üben sollen …“, keuchte Sgillin.
Morânia klammerte sich an ihrem Sitz fest und versuchte dabei, etwas auf dem Tiefenmesser zu erkennen. Doch der zeigte aufgrund des unkontrollierten Schlingerns nur wilde, willkürliche Zahlen an: zehn Schritt .. vierhundert Schritt ... hundert vierzig Schritt ... dreißig Schritt …
„Das … das ist ganz schlecht!“, rief Jana. „Ich kann die Schere nicht mehr kontrollieren …“
„So endet es also“, bemerkte Kiyoshi ruhig.
„Es endet gar nichts!“, widersprach Lereia energisch. Sie versuchte heldenhaft, die Ruhe zu bewahren und durch das Steuern der linken Vorderbeine noch irgendetwas zu erreichen.
Doch vergebens … die Krabbe rollte sich auf den Rücken und sank dabei weiter, immer tiefer und tiefer. Während es Morânia, Sgillin, Lereia und Kiyoshi erfolgreich gelang, sich noch an ihren Sitzen festzuhalten, prallten Jana und Naghûl unsanft gegen die Decke der Kabine. Die Beine und Scheren bewegten sich unkoordiniert, zuckten, ruderten … Dann schien die Krabbe sich wieder drehen zu wollen, doch ehe es ihr gelang, gab es einen heftigen Rums. Der Grund schien erreicht, und der Krabbenapparat blieb auf dem Rücken liegen.
Morânia atmete tief durch und schloss für einen Moment die Augen. „Bei Lathander“, flüsterte sie. Dann schlang sie die Beine um den Sitz und stützte sich mit ihren Armen an der Decke der Kabine ab, um nicht zu fallen, während sie kopfüber in der Krabbe hing. „Ist jemand verletzt?“, fragte sie in die Stille.
„An mir ist noch alles dran“, antwortete Sgillin, der ebenfalls kopfüber von seinem Sitz hing.
Naghûl saß neben Jana auf dem Dach der Krabbe, welches nun den Boden bildete. Er tastete mit der Rechten nach seiner linken Hand. „Möglicherweise habe ich mir das Handgelenk verstaucht. Aber das wird sich erst zeigen, wenn ich steuern muss.“
Nachdem es ansonsten allen gut zu gehen schien, sahen sie sich nun in der Krabbe um.
„Wir müssen uns etwas überlegen, um den Apparat wieder umzudrehen“, meinte Lereia. „Nur was?“
„Vielleicht können wir ihn wie eine Wipp-Schaukel umkippen?“, überlegte Naghûl.
Morânia löste die Beine vom Sitz und ließ sich langsam und vorsichtig hinab, so dass sie nun auch auf dem inneren Rückenpanzer der Krabbe kniete. „Wenn wir alle ganz nah an eine der Seiten gehen, mit viel Schwung? Meinst du das?“
„Genau!“ Naghûl nickte eifrig. „Wenn wir alle auf eine Seite gehen und die Krabbe dann auf diese Seite kippt, und wir dann noch weiter klettern, dann würde sie sich vielleicht wieder auf den Bauch rollen.“
„Das klingt durchführbar“, meinte Lereia. „Versuchen wir es.“
Sie selbst, Sgillin und Kiyoshi ließen sich nun auch von ihren Sitzen zum Dach des Apparates gleiten, die junge Frau und der Halbelf ein wenig eleganter als der drachenblütige Soldat, der mit einem Scheppern neben Jana landete. Nun, da niemand mehr kopfüber von seinem Sitz hing, konnten sie sich wieder einigermaßen koordiniert bewegen. Aufgrund der Enge in der Kabine war es dennoch eine gewisse Herausforderung, dass alle sich auf eine Seite der Krabbe begaben. Doch als Kiyoshi und Morânia, die mit ihren Rüstungen doch einiges an Gewicht mitbrachten, dann als letzte ganz an den rechten Rand rutschten, neigte sich der Apparat tatsächlich zur Seite. Er wackelte und ruckelte, dann kippte er schließlich und rollte sich über die Beine herum. Diesmal vorbereitet auf die Drehung der Krabbe, bewegten sie sich auf allen Vieren mit der Bewegung, ein wenig wie Hamster in einem Laufrad. Das metallene Scheppern, als der Apparat dann zum Stehen kam, war im Inneren der Kabine unangenehm laut zu hören.
„Geschafft!“, rief Sgillin. „Na also!“
Erleichtert, den Krabbenapparat wieder in eine lauffähige Position gebracht zu haben, kletterten sie alle auf ihre Sitze zurück und blickten nun erst einmal durch die Sichtluken nach draußen. Die Blende vor dem Lichtkristall war noch zurückgeschoben und so konnten sie nun eine deutlich urtümlichere Unterwasserlandschaft entdecken als auf dem Ringsockel. Hier waren die Wasserpflanzen, Schnecken und Muscheln größer, aber fremdartiger und auch die Fische sahen anders aus, ein wenig teuflisch mit langen, nadelspitzen Zähnen und dornigen Flossen. Viele waren gepanzert und Morânia sah auch einige große Trilobiten vorbei schwimmen. Hier und da bohrten sich spitze Felszacken durch den Meeresgrund.
„Faszinierend“, flüsterte Naghûl.
Die anderen nickten still und sie sahen eine Weile wie gebannt aus den kleinen Luken. Manche der Seelilien hier ragten mehrere Schritt empor und öffneten ihre federartigen Arme langsam in der trägen Strömung, als würden sie nach etwas Unsichtbarem greifen. Ihre Farben reichten von mattem Elfenbein bis zu tiefem Blaugrün, und auf ihren Stängeln saßen kleine, glasartige Wesen, die bei jeder Bewegung schwach aufleuchteten. Als Morânia sich schließlich von dem teils beklemmenden, teils faszinierenden Anblick lösen konnte, wurde ihr erst wirklich bewusst, wie lange sie gesunken waren. Sie mussten ziemlich tief unten sein.
„Wie weit sind wir denn nun unter dem Meeresspiegel?“, fragte sie.
Lereia warf einen Blick auf den Tiefenmesser. „Oha … 620 Schritt laut Anzeige.“
„Also, das ist tief“, meinte Sgillin beeindruckt.
„Wir sollten … zusehen, dass wir weiterkommen“, sagte Jana leise. „Bitte.“
Es war unübersehbar, dass die Hexenmeisterin die größten Schwierigkeiten mit dieser Reise unter Wasser hatte. Aber auch Morânia musste zugeben, dass sie sich deutlich unwohler fühlte, seit sie vom Ringsockel in die Ringsenke hinabgetaucht waren. Denn oben hätten sie mit dem Krabbenapparat jederzeit ohne Weiteres auftauchen können. Aber in einer Tiefe von über sechshundert Schritt war das nicht mehr möglich …
Um sich von diesem beklemmenden Gedanken abzulenken, suchte Morânia nach der Karte, die ihr bei dem wilden Tauchgang heruntergefallen war, entfaltete sie wieder und blickte hinein. „Also, wir sind nun in der Inneren Ringsenke ... nehme ich schwer an. Wir müssten uns jetzt in einer Art Untersee-Landschaft befinden, die als Devonische Gärten bezeichnet wird. Wenn die Karte und der Kompass stimmen, dann ist rechts von uns ein Riffgebiet, das hier mit der Große Talanga-Fächer beschriftet ist.“
Lereia drehte sich zu der Hexenmeisterin um. „Jana, wie viel Luft haben wir noch?“
„Die Atemluft reicht noch für viereinhalb Stunden“, antwortete Jana mit Blick auf die Anzeige.
„Dann würde ich sagen, schnell weiter“, meinte Sgillin und übernahm wieder die Kontrolle über die linken Hinterbeine. „Müssen wir wieder geradeaus?“
Morânia nickte. „Ja, so wie es aussieht, müssen wir diese Devonischen Gärten durchqueren.“
„Was könnte das wohl sein, ein Devonischer Garten?“, fragte Jana sich und spähte wieder nach draußen.
„Eine Art Garten unter Wasser?“, meinte Morânia und hob die Schultern. „Mit vielen Wasserpflanzen und urtümlichen Meereswesen?“
„Bewohnt von Devoniern“, fügte Naghûl grinsend hinzu.
Jana hob zweifelnd die Brauen. „Hoffen wir, dass der Gärtner uns nicht bemerkt …“
Sie setzten den Krabbenapparat wieder in Bewegung, und Lereia, Naghûl, Sgillin und Kiyoshi steuerten ihn geradeaus, wie Morânia es gesagt hatte. Sie selber sah immer wieder zwischen Karte und Kompass hin und her und gab kleinere Richtungskorrekturen an. Es stellte sich heraus, dass Naghûls linkes Handgelenk tatsächlich schmerzte und wohl verstaucht war, doch zum Glück war er Rechtshänder und konnte so weiterhin den Steuerhebel betätigen. Draußen war es sehr dunkel und sie konnten nur so weit sehen, wie der Kegel des Lichtkristalls reichte. Doch in dessen Schein erblickten sie draußen einen Meeresgrund, der einem Zaubergarten glich. Schneckenförmige wie auch längliche Nautiloiden und segmentierte Trilobiten trieben untätig zwischen ganzen Feldern von Seelilien dahin. Der Meeresboden bestand hier aus feinem, schwarzem Sediment, das bei jedem Schritt des Krabbenapparates in trägen Wolken aufstieg und im Licht des Kristalls wie dunkler Rauch wirkte. Dazwischen lagen verstreut riesige Muschelschalen, manche zerbrochen, manche noch geschlossen, groß genug, dass ein Mensch darin hätte liegen können. Hin und wieder bewegte sich draußen etwas Größeres durch die Dunkelheit jenseits des Lichtscheins, jedoch niemals lange genug sichtbar, um es klar zu erkennen. Nur langsame Schatten, die lautlos zwischen den Seelilien glitten und ebenso rasch wieder in der Finsternis verschwanden.
Nach einer Weile deutete Naghûl aufgeregt zur rechten Seitenluke. „Sind das bearbeitete Steine dort drüben?“
Morânia blickte aus der Luke in die Richtung, in die ihr Mann deutete. Zwischen den Korallenfeldern erhob sich eine lange Reihe schwarzer Steinsäulen aus dem Meeresboden, als hätte dort einst ein uraltes Bauwerk gestanden, das längst vom Wasser verschlungen worden war. Die Steine wirkten glatt wie Obsidian, waren aber von feinen Rissen durchzogen, aus denen schwaches phosphoreszierendes Licht sickerte. Dünne Schleier aus silbrigem Tang hatten sich um die Säulen gewickelt und bewegten sich langsam in der trägen Strömung wie schlafende Geister.
Lereia folgte Naghûls Blick und kniff die Augen ein wenig zusammen. „Das könnten Teile einer Ruine sein, oder?“
„Vielleicht nähern wir uns unserem Ziel“, meinte Morânia hoffnungsvoll.
Auch Jana spähte nun aus der vorderen Sichtluke, zuckte dann aber ein wenig zurück. „Huch! Das ist ein ganz schön dicker Fisch da draußen!“
„Mächtig dick“, bestätigte Naghûl staunend. „Der ist mindestens so groß wie ich …“
„Und er kommt auf uns zu“, stellte Lereia beunruhigt fest.
Morânia ließ die Karte sinken und blickte Naghûl über die Schulter, um den Fisch besser sehen zu können. „Ich glaube, er ist trotzdem nicht groß genug, um …“ Sie verstummte jäh.
Aus den dunklen Tiefen tauchte plötzlich etwas noch Gewaltigeres auf. Es war ein urtümlicher Fisch, deutlich größer als der erste, gewiss so lang wie der Krabbenapparat selbst. Ein massiver Panzer schützte seinen Kopf und Rücken und anstelle von Zähnen besaß er scharfe Knochenplatten in Ober- und Unterkiefer. Er hatte wohl den kleineren Fisch gejagt, doch zum Entsetzen der Expeditionsteilnehmer wandte er seine Aufmerksamkeit nun offensichtlich dem Krabbenapparat zu.
„Wenn der uns rammt, liegen wir wieder auf dem Rücken“, rief Jana mit einem Anflug von Panik.
„Ich denke, dies ist eine Aufgabe für die Scheren“, stellte Kiyoshi fest.
Die Hexenmeisterin nickte und griff eilig nach dem Hebel für die linke Schere, öffnete sie und versuchte, sie auf den herannahenden Panzerfisch auszurichten. Morânia tat dasselbe mit der rechten Schere. Doch der Fisch war wendiger als er aussah und die beiden Frauen mit der Scheren-Steuerung noch komplett unerfahren. Sie verfehlten den Fisch und dieser rammte mit seinem harten Schädel den Krabbenapparat. Es gab ein dumpfes Geräusch beim Aufprall und ein unangenehmes Vibrieren lief durch die Hülle der mechanischen Krabbe.
Morânia ließ den Scherenhebel los. „Tinte?“
„Versuch es!“, rief Lereia. „Vielleicht können wir fliehen.“
Die Bal'aasi betätigte den Hebel des Tintentanks und eine dicke, dunkelblaue Flüssigkeit strömte aus ... nur leider an der falschen Seite. Morânia fluchte auf Abyssal. „Verdammt! Es scheint mehrere Tanks zu geben.“ Fieberhaft begann sie, nach einem zweiten Hebel zu suchen.
Im selben Moment gab es erneut einen lauten Rums, als der Panzerfisch die rechte Schere packte. Er schloss sein mit Knochenplatten bestücktes Maul fest um das Gelenk.
„Nein!“ rief Lereia erschrocken aus.
Jana versuchte, den Fisch mit der linken Schere abzuwehren, verfehlte den Angreifer jedoch abermals. Der Panzerfisch biss fester zu, es knackte und knirschte bedenklich.
„Nochmal!“, rief Sgillin von hinten.
Jana versuchte verzweifelt, mit der freien Schere nach dem Fisch zu stoßen. Diesmal gelang es auch tatsächlich. Das Monstrum drehte sich ruckartig weg ... und riss dabei die andere Schere ab.
„Oh, verdammt!“, rief Naghûl.
Morânia hatte inzwischen einen zweiten kleinen Hebel gefunden, der offenbar den Tintentank an der Steuerbordseite öffnete. Hektisch zog sie daran, und diesmal trat die Tinte an der richtigen Seite aus. Eine dicke, dunkelblaue Wolke hüllte den Panzerfisch und den Krabbenapparat ein.
„Naghûl, Sgillin, Kiyoshi!“, rief Lereia und bewegte rasch die linken Vorderbeine. „Schnell weg!“
„Mit Freuden!“, erwiderte der Tiefling und hantierte hektisch an den Hebeln für die rechten Vorderbeine.
Der riesige Fisch war in der dicken Tintenwolke kaum mehr zu sehen und die vier Steuernden lenkten den Krabbenapparat so rasch wie möglich ein Stück zurück und anschließend zur Seite. Dann spürte Morânia das Wasser … Entsetzt wanderte ihr Blick zu der Stelle, wo ihr rechtes Knie nass wurde. Durch die abgerissene Schere war ein Loch in der Außenwand entstanden - nur ein kleines, doch es drang Wasser ein.
Reflexartig presste Morânia die Hände auf das Loch. „Mist! Leute … hier kommt Wasser rein!“
Jana schrie erschrocken auf und ihr Atem ging sofort deutlich schneller. Naghûl bemerkte es und legte ihr beruhigend eine Hand auf den Arm, während er mit anderen weiterhin die rechten Vorderbeine bediente. Kiyoshi leerte mit einer Hand seine wasserfeste Gürteltasche aus und reichte sie an Morânia, während er mit der anderen Hand nach bester Möglichkeit weiterhin die rechten Hinterbeine steuerte.
„Eine gute Idee! Danke!“ Die Bal‘aasi stopfte die Tasche in das Loch. „Das hilft auf jeden Fall. Aber es tropft dennoch durch. Wir brauchen eine dauerhaftere Lösung als meine Hände und Kiyoshis Tasche.“
Lereia, Naghûl, Kiyoshi und Sgillin steuerten den Krabbenapparat, konzentriert und sehr gut abgestimmt, zügig weiter zur Seite, um so viel Weg wie möglich zurückzulegen, ehe die Tintenwolke sich verflüchtigte. Jana schob die Blende vor den Lichtkristall, damit der Panzerfisch nicht wieder angelockt würde. Erst nachdem sie ein ganzes Stück durch den weichen Sand zurückgelegt hatten, wagten sie es anzuhalten. Für eine Weile hielten sie den Krabbenapparat einfach komplett still und warteten ab, bange Minuten, in denen niemand ein Wort sprach.
„Ich glaube, er ist weg“, flüsterte Lereia schließlich. „Lasst uns vorsichtig den Weg Richtung Spitze wieder aufnehmen. Ich befürchte allerdings, wir müssen das Licht wieder einschalten, sonst haben wir keine Ahnung, wohin wir gehen.“
„Das stimmt leider“, meinte Sgillin. „Am Ende steuern wir die Krabbe sonst noch gegen einen Felsen.“
Jana nickte, atmete tief durch und schob dann ganz langsam und vorsichtig die Blende der Lichtkristallkammer wieder zurück. Ohne die Hände vom Leck zu nehmen warf Morânia einen Blick in die auf ihren Knien liegende Karte. Sie sah daher nicht nach draußen, doch sie spürte, wie sich Lereia schräg vor ihr kerzengerade aufrichtete.
„Es steigen Luftblasen auf ...“ brachte die junge Frau entsetzt hervor.
„Was?“ Morânia sah sofort nach vorne. „Wo?“
Lereia deutete durch die Luke, in Richtung der rechten Vorderbeine. „Hier, neben uns.“
„Ich fürchte, der Angriff des Panzerfischs hat den Lufttank beschädigt“, ließ sich Kiyoshi vernehmen, und selbst er klang alarmiert.
„Verdammt!“, fluchte Sgillin. „Was sagt die Tank-Anzeige?“
Jana warf einen Blick auf das Messgerät für die verbleibende Atemluft. „Wir haben … mehr als zwei Drittel unseres Vorrats verloren“, erklärte sie leise und tonlos. „Wir haben nur noch Luft für fünfundvierzig Minuten.“
Morânia spürte, wie ihr das Herz sank und Lereia sah auf den Tiefenmesser. „Sechshundert und vierzig Schritt …“, flüsterte sie. „Wir können nicht auftauchen … Erst ab fünfhundert Schritt.“
Entsetztes Schweigen legte sich über die Kabine des Krabbenapparates wie eine bleierne Decke.
„Was machen wir jetzt?“, fragte Jana schließlich leise in die Stille hinein.
„Wir müssen innerhalb von fünfundvierzig Minuten irgendwo hinkommen, wo wir atmen können“, erwiderte Naghûl, auch er blass um die Nase. „Sonst war's das ...“
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gespielt am 21. Juni 2013






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