Der Sünde Lohn
ein Succubus auf Pazunia, erste Schicht der Abyss
Rynin Dunkelschwinge räkelte sich genüsslich im warmen Wasser. Schwarz-rote Höllenfeuer-Blüten aus Torremor trieben über die Oberfläche wie winzige, verdorbene Schiffe und verbreiteten einen süßlich-stechenden Duft. Rynin strich sich dass nasse, dunkelrote Haar aus dem Gesicht und seufzte zufrieden. Als Succubus wusste sie vor allem diejenigen ihrer neuen Privilegien hoch zu schätzen, die ihrem Äußeren zugute kamen. Nicht, dass sie sich die Belohnung nicht verdient hätte ... In einer äußerst erfolgreichen Schlacht gegen die Baatezu war es ihr gelungen, die Steine von Draetilus auf Othrys zu erobern. Es stand in den Sternen, wie lange die Tanar’Ri diese Position halten konnten. Bisher hatte keine der beiden Seiten im Blutkrieg den Hügel mit den strategisch so wichtigen Portalsteinen länger als einen Tag einnehmen können. Doch allein die Eroberung der Steine und die Vertreibung eines ganzen Baatezu-Bataillons hatte ihr Aufmerksamkeit an allerhöchster Stelle gesichert. Die Marilith-Generalin Reluhantis hatte ihr zum Lohn eine eigene Festung auf der Ebene der Unendlichen Portale zugesprochen. Eine Festung aus Stahl und Kupfer mit eigenen Truppen und eigenen Sklaven! Das riskante Unternehmen hatte sich also mehr als gelohnt ...
Nachdem sie sich in ihre neuen Gewänder aus bester Gehenna-Seide gekleidet und den mit verschwenderisch vielen Feuer-Rubinen besetzten Schmuck angelegt hatte, machte sie sich auf den Weg in ihren Thronsaal. Vielleicht mochte es ein wenig übertrieben sein, von einem Thronsaal zu sprechen, so mächtig wie eine Rotschleier war sie noch nicht ... Doch sie herrschte ja auch erst seit wenigen Stunden über ihre neue Feste. Wer also sagte, dass sie nicht dieselbe Macht erlangen konnte? Sie war immerhin in nur vier Jahren vom Mane zum Succubus aufgestiegen. Und sie wusste genau, dass es sogar Marilithen und Baloren gab, denen das Angst machte. Sie konnte es noch weit bringen, dessen war Rynin sicher. Von ihrem Thron aus Ebenholz und Eisen aus gab sie ihren Untergebenen die nötigen Anweisungen für den kommenden Tag: mehr Wachen auf den Wehrgängen zu postieren; die alten, inzwischen grauenhaft anzusehenden Nymphenhaar-Teppiche gegen die Felle celestischer Löwen einzutauschen; die arkane Ausbildung einiger Alu-Scheusale zu vertiefen; Herzwein aus Verdammnis importieren zu lassen; die Ausrüstung aller Truppen zu verbessern und dabei das Augenmerk vor allem auf magisch verstärkte Waffen und Rüstungen zu legen; einen guten Masseur heranzuschaffen; die Mauer und die Wachtürme auszubauen ... denn sie wusste, sie hatte sich durch ihren Ruhm genügend Feinde unter ihresgleichen gemacht.
Nachdem sie Stunden damit verbracht hatte, sich mit allen Eigenheiten ihrer Festung vertraut zu machen, alle ihre Stärken und Schwächen kennen zu lernen sowie die wichtigsten ihrer neuen Untergebenen persönlich zu treffen, zog sie sich wieder in ihre Gemächer zurück. Wie sie es angeordnet hatte, wartete dort schon ein gut gebauter Jüngling auf sie. Es handelte sich offenbar um einen Feuergenasi, leicht bekleidet und mit einigen dünnen Ketten gefesselt, ganz so, wie sie es befohlen hatte. Eine schöne Beute von einem der letzten Raubzüge in die Außenländer ... und ein angenehmer Abschluss dieses anstrengenden Tages. Sie beugte sich vor und ließ ihre Hände spielerisch über seinen Körper gleiten, während er sie furchtsam musterte. Die außergewöhnliche Hitze, die von seiner Haut ausging, war angenehm und erregend. Er gefiel ihr. So gut, dass sie beschloss, den tödlichen Kuss, der ihren Hunger stillen sollte, noch ein wenig hinauszuzögern ...



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