„Ich weiß um das Gewicht meines Schwertes. Es ist wertlos ohne mein Herz, das es leitet. Meine Stärke liegt nicht in meinem Schwert, sondern in meinem Herzen.
Wenn ich mein Schwert verliere, habe ich ein Werkzeug verloren. Wenn ich mein Herz verrate, bin ich gestorben.“
erster Grundsatz der Paladine von Iomedae
Dritter Kuratorentag von Mortis, 126 HR
Erin durchquerte das Große Gymnasium, hörte die fröhlichen Rufe der Badegäste, roch den Duft der Jasminblüten vom Café nahe des Eingangs. Aber während das Gymnasium sonst ein Ort der Entspannung und des Wohlbefindens war, oft gemeinsam mit ihrem Gefährten Da'nanin und in Gesellschaft von Rhys, so besuchte sie es heute ausnahmsweise in ernster Stimmung. Sie hatte tags zuvor noch verschiedene Informationen über Rotschleier zusammengetragen und einen Brief dazu an Sarin, Ambar, Rhys und Terrance geschickt. Das Schreiben war ebenso an die Erwählten gerichtet gewesen, und ihre Kollegen hatten ihre jeweiligen Bundmitglieder entsprechend unterrichtet. Naghûl hatte sie natürlich selbst ins Bild gesetzt und ihm erklärt, er dürfe die Informationen auch an Sgillin weitergeben. Anarchist oder nicht, sie steckten gemeinsam in dieser Sache und der Halbelf war sogar willens gewesen, mit dem Bundmeister des Harmoniums den Körper zu tauschen. Ebenso wie Sarin selbst, was Erin durchaus überrascht hatte. Es sprach dafür, wie sehr es dem Paladin und dem Waldläufer gleichermaßen am Herzen lag, die Gefangenen zu befreien. Leider hatte es nicht funktioniert und auch die anderen ins Auge gefassten Pläne waren wenig erfolgversprechend gewesen.
Gemeinsam mit den Erwählten hatten sie und ihre Bundmeister-Kollegen nun im Großen Gymnasium über die Informationen bezüglich Rotschleier gesprochen und sich zu möglichen Fragen an die Botin beraten. Danach hatten sie eine kurze Pause gemacht und wollten sich nun mit Mallin und Hashkar treffen, in der Hoffnung, doch noch eine Idee zu finden, wie man Lereia, Garush und Yelmalis helfen konnte ohne dass Sarin sich dem beträchtlichen Risiko des geforderten Kusses aussetzen musste. Sie hatten als Ort für diese Zusammenkunft das Große Gymnasium gewählt, weil es allen Bünden Sigils als eine Art neutraler Boden für Verhandlungen galt. Rhys hatte natürlich zugestimmt. Als Erin den Mondkristall-Raum betrat, waren die anderen Bundmeister bereits anwesend. Obgleich hier ansonsten nur Teppiche und Sitzkissen auf dem Boden lagen, hatte Rhys für den heutigen Tag Stühle in einem weiten Kreis aufstellen lassen. Angesichts des ernsten Themas war ihr ein etwas formalerer Rahmen wohl angemessen erschienen. Sarin wirkte nachdenklich und ein wenig in sich gekehrt, und da zweiteres für ihn recht untypisch war, machte Erin sich durchaus Sorgen. Rechts neben ihm saßen Mallin und Hashkar, der Paladin des Hoar mit grimmig-düsterer Miene, der alte Zwerg ruhig, aber ernst. Der Platz direkt links neben Sarin war noch frei, erst einen Stuhl weiter hatte Rhys Platz genommen, die wie meist gefasst und ausgeglichen wirkte, wenngleich auch ihr ein gewisser Ernst anzumerken war. Der neben ihr sitzende Ambar wirkte hingegen angespannt und unruhig, ein auffälliger Kontrast zu seinem sonstigen fröhlichen Wesen. Neben ihm hatte Terrance Platz genommen.
Erin vermutete, dass der Stuhl links neben Sarin von Rhys ganz bewusst freigehalten worden war. Als sie ihrem Kollegen vom Harmonium mit einem warmen Lächeln zunickte und sich neben ihn setzte, fragte sie sich, ob die freundschaftliche Annäherung zwischen ihr und Sarin zu auffällig war. Dass die Bundmeisterin der Kryptisten es bemerkt hatte, war natürlich klar, aber mochte es klüger sein, das herzliche Verhältnis, das sie inzwischen zu Sarin hatte, nicht allzu offen zu zeigen? Ganz sicher wollte sie ihn dadurch nicht kompromittieren. Zum einen, weil sie seine Position auch aus pragmatischen Gründen nicht schwächen wollte, zum anderen aber auch, weil sie ihn aufrichtig schätzte. Jedoch wurde in Sigil seit jeher viel geredet, und so würden alleine ihre regelmäßigen Treffen in letzter Zeit ausreichen, um die Leute auf Gedanken zu bringen. Andererseits konnten ihre beiden Bünde durch das jüngste Zusammenrücken gewiss profitieren, und Sarin sah dies mit Sicherheit auch so, sonst hätte er es nicht zugelassen. Obgleich er stets betonte, mit den Intrigen des Kriegstanzes nichts zu schaffen haben zu wollen, war er gleichwohl überraschend gut darin. So ging ihre, innerhalb weniger Sekunden vorgenommene Abwägung dahin, dass die sich entwickelnde Freundschaft zwischen Sarin und ihr nur von Vorteil war, und umso mehr, wenn sie auch nach außen hin wahrgenommen wurde. Die Kadenz der Ebenen schien Rhys dasselbe gesagt zu haben und so nickte sie ihr lächelnd zu, als die Tieflingsfrau mit einem wissenden Schmunzeln beobachtete, wie sie neben Sarin Platz nahm und der Paladin ihr freundlich zunickte.
Kurz darauf öffnete sich die Tür erneut und Naghûl, Kiyoshi, Jana und Sgillin traten ein. Morânia war jedoch nicht bei ihnen, die Bal'aasi würde erst später hinzukommen. Die Erwählten nahmen auf den noch freien Stühlen Platz, dann legte sich eine erwartungsvolle Stille über den Raum.
Sarin wandte sich an Rhys. „Nun, Ihr seid die Gastgeberin. Daher ...“ Er machte eine kurze, auffordernde Handbewegung.
„Zu gütig“, erwiderte die Tieflingsfrau mit einem Schmunzeln.
„Was war denn nun wieder falsch?“, erwiderte der Paladin, sein Tonfall merkbar gereizt. Wenngleich er oft sehr unverblümt war, so ging dies über seine übliche Direktheit hinaus und war mit Sicherheit der angespannten Situation geschuldet.
Rhys hob beschwichtigend die Hände. „Nur ein kleiner Scherz. Ich spüre hier im Raum eine sehr unangenehme Anspannung.“
Hashkar strich sich über seinen langen, weißen Bart und seufzte bedächtig. „Angesichts der Fakten ist dies nicht verwunderlich. Natürlich könnte sich diese Anspannung durch weitere negative Fakten durchaus noch verstärken.“
Ambar sah zu seinem Kollegen von den Herrschnern hinüber und atmete einmal tief durch, ehe er ein etwas gezwungenes Lächeln aufsetzte. „Genau.“
Ob Hashkar seine Anspannung nun nicht bemerkte oder einfach überging, er lächelte dem Barden auf jeden Fall freundlich zu, ehe er wieder zu Rhys sah. „Oh, verzeiht, werte Kollegin, ich wollte nicht unterbrechen.“
„Schon gut.“ Die Bundmeisterin der Kryptisten winkte begütigend ab. „Ich begrüße erst einmal alle Anwesenden ganz herzlich, besonders die beiden Gäste, die unsere Runde heute das erste Mal beehren: Bundmeister Hashkar und Bundmeister Mallin.“
Mallin nickte ernst und auch der alte Zwerg begnügte sich diesmal mit einem schweigenden Blick in die Runde.
„Neben Lereia sitzen auch Garush und Yelmalis in der Abyss fest“, fuhr Rhys fort. „Daher haben wir - auf eindringliches Anraten von Bundmeister Sarin hin - beschlossen, dass wir uns heute gemeinsam treffen, in der Hoffnung, zusammen eine Lösung zu finden.“
Mallin nickte Sarin knapp zu, eine Geste die offenbar Dank dafür ausdrückte, dass sie für diese wichtige Sache ihre kürzlichen Differenzen hinter sich ließen. Sarin nickte ebenso knapp zurück.
„Wir alle wissen, worum es geht“, erklärte Rhys sachlich. „Drei der Erwählten sind in der Gewalt von Rotschleier und ihre Forderung ist sehr klar: ein Kuss von Bundmeister Sarin.“
Ein betretenes Schweigen lag über dem Raum, nachdem die Bundmeisterin der Kryptisten dieses ungeheuerliche Ansinnen der Dämonenfürstin noch einmal so klar benannte. Erin sah, wie Naghûl die Lippen zusammenpresste, und auch allen anderen war ihr Unbehagen deutlich anzumerken.
Schließlich nickte Hashkar ernst. „Eine wahrhaft unerquickliche Situation und eine Forderung, die in ihren Ausmaßen ebenso empörend wie anmaßend ist und auch auf der Basis jedes Leitfadens zum Thema Diplomatische Verhandlungen und interplanares Parlamentärsrecht schlicht und ergreifend so nicht gestellt werden kann.“
Erin kannte Hashkars langatmige und umständliche Ausdrucksweise nur allzu gut aus der Halle der Redner, sie konnte jedoch den Erwählten ansehen, dass sie davon überrascht bis entsetzt waren.
„Wohl wahr“, erwiderte Terrance ruhig. „Nur leider schert sich Rotschleier nicht um Diplomatie oder Leitfäden irgendeiner Art.“
Hashkar hob den Zeigefinger und setzte schon zu einer Erwiderung an, ließ aber dann die Hand wieder sinken. „Das ist korrekt, werter Kollege.“
Als Naghûl sich nun, noch etwas zögernd, zu Wort meldete, nickte Rhys ihm freundlich zu. „Ihr möchtet etwas sagen, Faktotum?“
Der Tiefling nickte. „Ja, danke Bundmeisterin. Ich wollte nur anmerken, dass es sich hierbei ganz klar um Erpressung handelt. Trotz des Ernstes der Lage müssen wir bei unseren Abwägungen auch bedenken, dass wir uns nicht erpressbar machen sollten.“
Ambars Blick war sorgenvoll und düster. „Grundsätzlich verstehe ich diesen Standpunkt und teile ihn. Ich halte aber die Lage in diesem Fall dennoch für eine besondere und spezielle.“
Erin nickte zustimmend und nun hob Jana vorsichtig die Hand.
„Ich bin Jana“, erklärte sie nach einer auffordernden Geste von Rhys. Sie blickte dabei zu Mallin und Hashkar. „Ich bin die Prophetin. Ich sehe Dinge, so zum Beispiel das Schwert in der Dämonenfeste. Ich glaube, einen Weg gefunden zu haben, meine Prophezeiungen bewusst auszulösen und möchte gerne als nächstes versuchen, sie zielgerichtet einzusetzen.“
Diese Aussage überraschte Erin, und offenbar auch alle anderen Anwesenden, Bundmeister wie Erwählte. Es war eine neue Information, dass Jana ihre Visionen bewusst herbeiführen konnte. Dass sogar Terrance bei den Worten der Hexenmeisterin kurz die Stirn runzelte, irritierte Erin jedoch.
Auch Mallin hob skeptisch die Brauen. „Wir wissen, wer Ihr seid“, sagte er. „Würdet Ihr etwas sehen können, das uns hilft?“
„Mit sehr viel Glück vielleicht einen Weg, die Gefangenen zu befreien und Rotschleier aus dem Spiel zu nehmen.“ Jana räusperte sich, als Terrance ihr von der Seite her einen warnenden Blick zuwarf. „Aber wahrscheinlich eher nur ein Bild oder einen Moment“, schwächte sie dann ab. „Ich hätte dazu gerne die Erlaubnis, mit der Leiterin der Bordells der Intellektuellen Lüste zu sprechen, um ein möglichst genaues Bild von Rotschleier zu bekommen.“
Erin konnte nicht verhindern, dass ihre Augen sich kurz weiteten. Sie zog die Luft ein und rang innerlich um Fassung. Hatte sie in ihrem Brief nicht eindeutig geschrieben, dass die Information über Rotschleier und Grace streng vertraulich behandelt werden sollte? Ein Blick zu Terrance verriet ihr, dass dieser ebenso überrascht und ungehalten über Janas Aussage war. Auch Sarin, Ambar, Rhys und die anderen Erwählten waren bei Janas Worten kurz zusammengezuckt, während Mallin und Hashkar natürlich aufhorchten.
„Wieso das?“, fragte der Bundmeister der Herrschner. „Hat Lady Grace engere Kontakte zu Rotschleier?“
Jana schien ihren Lapsus nun zu bemerken und geriet ins Stottern. „Ich habe Rotschleier ... nur einen kurzen Moment in der Abyss gesehen. Aber ich glaube, wenn ich sie mir beim Auslösen der Vision ... intensiv genug vorstelle, kann ich ...“
„Jana ...“ Obgleich Terrance mit Sicherheit alles andere als begeistert darüber war, dass die Hexenmeisterin gerade streng vertrauliche Informationen ausgeplaudert hatte, gelang es ihm, seinen Tonfall eher nachsichtig als verärgert klingen zu lassen, um nicht noch mehr Verdacht zu erregen.
„Ich meine … ich bin jetzt lieber still.“ Kleinlaut starrte Jana auf den Boden zwischen ihren Füßen.
Mallin hingegen hob eine Braue und sah zu Erin. „Also, wenn ich es richtig verstanden habe, steht Grace die Gefallene, bekanntermaßen Mitglied der Sinnsaten, in irgendeiner Verbindung zu Rotschleier?“
Erin hatte sich längst wieder gefangen und lächelte charmant. „Jana scheint da etwas falsch verstanden zu haben“, erklärte sie. „Rotschleier war vor Jahren einmal im Bordell, als sie den Tempel der Abyss besucht hat. Deswegen könnte Grace sie möglicherweise näher beschreiben. Aber daraus können wir wohl nicht viele Vorteile ziehen.“
Aus dem Augenwinkel erkannte sie, dass Sarins Blick noch auf Jana und Terrance gerichtet war. Obgleich er es gut verbarg, kannte sie ihn inzwischen gut genug, um zu wissen, dass seine Selbstbeherrschung sich an einer sehr dünnen Grenze bewegte.
Mallin musterte Erin nachdenklich und nickte dann. „Na schön.“ Es war schwer zusagen, ob er ihr die Geschichte abgekauft hatte. Doch offenbar wollte er es dabei belassen. „Gibt es denn bereits sinnvolle Pläne?“
„Vielleicht sollten wir erst einmal das Unmögliche ausschließen“, meinte Hashkar ernst. „In dem, was dann noch bleibt, und sei es noch so unbequem oder abwegig, muss dann zwangsläufig die Lösung liegen.“
„Ja, warum nicht?“ Rhys nickte und nahm die Gesprächsleitung nach dem kleinen Eklat wieder an sich. „Das ist doch kein schlechter Ansatz. Ich zähle somit auf, was wir bislang als unmöglich ausgeschlossen haben. Sollte es Einwände geben, melde man sich bitte zu Wort. Der direkte Angriff, ein Sturm auf die Feste Bruchstein, um die Gefangenen zu befreien, scheidet aus. Korrekt?“
Sarin seufzte. „Korrekt. Es wäre ein irrsinniges Unterfangen. Selbst falls wir es schaffen sollten, würden hier nicht nur Hunderte oder Tausende, sondern mindestens Zehntausende den Tod finden – inklusive der Gefangenen. Dieser Preis wäre zu hoch.“
„Das ist wahr.“ Ambar nickte ernüchtert. „Obgleich ich gerne selbst und sofort hingehen würde, das wird nichts bringen.“
„Die Variante Körpertausch scheidet auch aus“, fuhr Rhys fort. „Weil Sarin Sgillin nicht lässt oder weil es einfach nicht geht.“
„Was soll das nun wieder?“, fragte der Paladin gereizt. „Ich habe es immerhin versucht.“
Sgillin nickte. „Es funktioniert wohl einfach wirklich nicht.“
„Das denke ich auch“, kam Erin den beiden zu Hilfe. „Weder Sgillin noch Sarin können daran etwas ändern, es scheint gegeben zu sein.“
„So scheint es wohl“, stimmte die Bundmeisterin der Kryptisten denn auch zu. „Das scheidet also auch aus. Variante drei: Mit einer kleinen Gruppe heimlich eindringen und die drei Gefangenen befreien. Meinungen?“
Mallin wirkte nicht begeistert. „Das halte ich, auch wenn ich es ungern zugebe, für immer noch realistischer als einen direkten Angriff. Aber das heißt nicht, dass ich es für vielversprechend halte. Bei einem solchen Plan kann sehr viel schiefgehen, und das würde das Leben der Gefangenen gefährden.“
Hashkar nickte. „Hier müssten sehr viele Einzelfaktoren aufs Sorgsamste abgewogen und alle möglichen Variablen berücksichtigt werden.“
Die Bundmeisterin der Kryptisten sah zu Naghûl, Kiyoshi, Jana und Sgillin. „Was meinen die Erwählten?“
Der Tiefling wiegte den Kopf. „Ich denke auch, dass das eine realistischere Vorgehensweise wäre als der direkte Angriff. Doch eines ist klar: Ich glaube nicht, dass nur die Erwählten alleine dies bewerkstelligen können.“
Während Ambar schon seit Beginn des Gespräches einen sehr angespannten Eindruck machte, warf Terrance ab und zu einen wachsamen Seitenblick zu Jana, hörte aber ansonsten ruhig zu. Sarin hingegen wirkte merkwürdig abwesend, was sehr untypisch für ihn war.
Als er auch nichts zu dem Vorschlag sagte, ergriff Rhys wieder das Wort. „Der Vorteil des Planes wäre: Sarin muss Rotschleier nicht küssen und es würden nicht viele Leute sterben, sogar, falls es schief geht. Der Nachteil: Geht etwas schief, sehen wir unsere Freunde wohl nicht lebend wieder. Gibt es andere Vorschläge?“
Eine gewisse Ratlosigkeit war im Raum spürbar und allgemeines Kopfschütteln war die Antwort.
Rhys nickte sacht. „Um jede Möglichkeit zu nutzen, die wir haben, habe ich Morânia gebeten, im Nebenraum zu meditieren und sich auf ein Gespräch mit der Botin vorzubereiten. Kiyoshi, wäret Ihr so freundlich, sie hereinzuholen?“
Der junge Soldat erhob sich und verschwand kurz, nur um gleich darauf gefolgt von Morânia zurückzukehren. Die Bal'aasi vollführte eine tiefe Verbeugung vor den Bundmeistern, lächelte ihrem Mann Naghûl kurz zu und sah dann zu Rhys.
„Morânia, ich grüße Euch“, sagte die Bundmeisterin der Kryptisten. „Seid Ihr bereit, die Botin zu wecken?“
„Ich bin bereit“, erwiderte die Bal'aasi. „Ich weiß nicht, wie viele Fragen sie beantworten wird, aber ich bin sicher, ich kann sie wecken.“
„Danke, Morânia. Wir haben uns bereits im Vorfeld ein paar Gedanken über sinnvolle Fragen gemacht und mit dem Einverständnis der Kollegen Hashkar und Mallin sollen die Erwählten und Sarin diese stellen.“
Die beiden Bundmeister nickten und Erin bemerkte, wie die beiden Männer die Bal'aasi interessiert musterten, wohl gespannt auf diese Demonstration ihrer Gabe. Morânia nahm sicherheitshalber auf dem letzten, noch freien Stuhl Platz, schloss die Augen und schien sich in sich selbst zu versenken. Dann, kurz darauf, öffnete sie die Lider wieder und ihre Augen erstrahlten in einem weißen Licht, ganz so wie Naghûl es bisher immer beschrieben hatte. Es war jedoch das erste Mal, dass Erin selbst miterlebte, wie die Botin erwachte, und sie fühlte eine entsprechende gespannte Aufregung bei dieser Erfahrung.
Als Morânia dann sprach, hatte ihre Stimme einen leichten Nachhall, wie ein Echo in einer Höhle. „Fragt und euch wird geantwortet.“
Wie besprochen stellte Sgillin die erste Frage. „Ehrenwerte Botin, ist meine Fähigkeit stark genug entwickelt, um mit einem chaotisch bösen Wesen den Körper zu tauschen?“
„Möglich“, antwortete die Seele des Engels durch Morânias Lippen.
Eine leider nicht allzu konkrete Auskunft, vielleicht geschuldet der Tatsache, dass es so viele verschiedene und unterschiedlich mächtige chaotisch böse Wesen gab. Ambar schüttelte besorgt den Kopf.
Nun wandte sich Naghûl seiner Frau zu, um die nächste Frage zu stellen. „Ist der Plan, die Gefangenen heimlich zu befreien, von einem höchstwahrscheinlichen Erfolg gekrönt?“
„Ungewiss“, gab die Botin zu Antwort.
Erin seufzte leise. Erneut eine unklare Auskunft – und doch war diese hilfreich. Denn wenn der Plan einer heimlichen Rettungsaktion bestenfalls ungewiss war, so war er zu riskant. So zumindest sah sie es und sie war sicher, dass die anderen es ähnlich beurteilen würden.
Naghûl wirkte auch wenig überrascht, hatte wohl mit einer solchen Antwort gerechnet. Dann sah er zu Kiyoshi.
Der junge Soldat stand auf und verneigte sich gen Morânia, ehe er seine Frage stellte. „Ehrwürdige Botin-sama, ist es für uns möglich, in den Archiven des Bundes des ehrwürdigen Bundmeisters Hashkar-heika einen Bauplan der Festung Bruchstein zu erhalten oder in den Hallen der Aufzeichnung?“
„Nein“, erwiderte die Botin.
„Warum fragt Ihr das nicht im Archiv?“, warf Hashkar verwirrt ein.
„Weil es so umfangreich ist, dass es vermutlich Tage dauern würden, bis wir eine solche Antwort erhalten, ehrwürdiger Bundmeister Hashkar-heika“, antwortete Kiyoshi mit einer Verbeugung. „So sparen wir uns Zeit, die wir womöglich nicht haben.“
Der alte Zwerg wiegte stirnrunzelnd den Kopf, bedeutete dann aber mit einer Geste, dass er nichts weiter dazu sagen wollte. Eine eher ungewöhnliche Reaktion bei dem redseligen Gelehrten, wie Erin wusste, und somit ein deutliches Zeichen dafür, dass auch er sehr gespannt auf die nächsten Fragen an die Botin war. Noch zwei, falls sie wieder fünf Fragen beantworten würde.
Nun setzte sich Sarin in seinem Stuhl auf. Erin wusste, was er fragen würde, und es war klug, diese Auskunft einzuholen. „Ehrwürdige Botin“, sagte der Paladin nach einem tiefen Durchatmen. „Würde der geforderte Kuss auf spiritueller Ebene eine Gefahr für mich darstellen?“
„Ja“, gab Morânia ohne zu zögern zur Antwort.
Erin biss sich auf die Lippen und Sarin seufzte leise, wenngleich er nicht überrascht wirkte. Er lehnte sich wieder zurück und verschränkte die Arme. Jana warf nun einen kurzen, bittenden Blick zu Terrance. Nach ihrem vorherigen Fehltritt wollte sie offenbar erst seine Erlaubnis einholen, die besprochene Frage zu stellen. Der Hohepriester musterte sie scharf, wie um ihr zu bedeuten, dass sie keine weiteren Dummheiten machen sollte, nickte dann aber. Ambar warf Jana einen Blick zu, der andeutete, dass sein Geduldsfaden heute nicht sehr stabil war.
Jana holte tief Luft, ehe sie sich an Morânia wandte. „Ehrwürdige Botin, ist Rotschleier oder ihr Handeln Teil der Prophezeiung?“
„Das war ja jetzt doch eine Frage mit oder ...“, warf Ambar ungehalten ein.
Erin nickte. Da die Botin dazu tendierte, Fragen mit Ja oder Nein zu beantworten, waren sie übereingekommen, keine Fragen zu stellen, die ein oder beinhalteten. Die Frage hatte eigentlich lauten sollen, ob Rotschleier ein Teil der Prophezeiung war, nicht mehr. Als Jana ihren Fehler bemerkte, lief sie knallrot an und sah schuldbewusst zu Terrance, der sich kopfschüttelnd mit der Hand über das Gesicht fuhr. Sarin musste sich offenbar mühsam beherrschen, um die Hexenmeisterin nicht anzuschnauzen. Doch glücklicherweise antwortete Morânia nicht, die Botin schien zu warten … Da sich Janas Frage so offenbar nicht beantworten ließ, hatten sie sie noch nicht vergeudet.
„Ist Rotschleier Teil der Prophezeiung?“, fragte Sgillin rasch.
„Ja“, antwortete die Botin.
Das waren fünf Fragen und fünf Antworten gewesen, aber noch leuchtete das weiße Licht in Morânias Augen …
„Kann ich mit einem Bulezau den Körper tauschen?“, schob Sgillin noch eilig eine Frage nach, gewiss in der Absicht, die erste einzugrenzen und zu konkretisieren.
„Ja“, erwiderte Morânia, dann flackerte das Licht in ihren Augen und erlosch.
Die Bal'aasi sank erschöpft in ihrem Stuhl zurück und der neben ihr sitzende Naghûl ergriff ihre Hand und drückte sie. Erin beobachtete es mit einem Lächeln. Es war offensichtlich, dass er sehr stolz auf seine Frau war und das wärmte ihr das Herz, umso mehr in diesen schweren Stunden. Dann blickte sie zu ihren Kollegen, doch noch ehe sie die von der Botin gegebenen Antworten besprechen konnten, klopfte es an der Tür. Erin warf einen überraschten Blick zu Rhys, doch ein Kopfschütteln der Tieflingsfrau zeigte, dass sie niemanden erwartete.
Kiyoshis Blick wanderte zu Sarin. „Ehrwürdiger Bundmeister Sarin-gensui, soll ich nachsehen?“
Als der Paladin nickte, erhob sich der junge Soldat und öffnete die Tür. Davor stand ein junger Dekurio des Harmoniums, der ein wenig überfordert wirkte.
Er spähte in den Raum und salutierte, als er Sarin entdeckte. „Bundmeister, hier ist eine Tanar'Ri, die behauptet, mit einer Botschaft von Rotschleier zu kommen. Wir wussten nicht, was wir machen sollten, aber Eure Adjutantin Amariel meinte, es könnte sehr wichtig sein. Daher haben wir sie hierher gebracht.“
Erin konnte ihrem Kollegen vom Harmonium anmerken, dass es ihn einiges an Selbstbeherrschung kostete, gelassen zu bleiben. Er nickte dem Dekurio jedoch zu. „Lasst sie herein.“
Der junge Mann trat einen Schritt zur Seite und nun kam eine Kelvezu in den Raum, mit tiefroter Haut und zwei geschwungenen Hörnern. Vor sich her trug sie mit beiden Armen etwas Großes, Flaches, das von einem Tuch verhüllt wurde.
Dann verneigte sie sich, so gut es mit dem Gegenstand in beiden Händen ging. „Ich entbiete Grüße meiner Herrin Rotschleier, der Herrscherin von Bruchstein“, sagte sie. „Ich habe eine Botschaft für Bundmeister Sarin.“
Der Paladin verschränkte die Arme. „Sagt bloß“, erwiderte er finster.
„Allerdings.“ Die Kelvezu grinste ein wenig. „Wenn Ihr gnädig erlaubt, Herr, werde ich Euch die Botschaft darbieten.“
Sarin gab Kiyoshi ein Zeichen, die Tür zu schließen. „Na gut. Lasst mich die Botschaft Eurer Herrin hören.“
Mallin war inzwischen aufgestanden und neben die Tanar'Ri getreten, wie um klar zu machen, dass sie es nicht zu wagen brauchte, sich irgendwelche Dummheiten einfallen zu lassen. Er hatte eine Hand leicht auf dem Schwertgriff liegen, stand aber ansonsten ruhig neben ihr.
Die Kelvezu stellte nun den Gegenstand ab, den sie getragen hatte und zog das Tuch weg. Ein großer Spiegel in einem Rahmen aus dunklem Metall kam zum Vorschein. Sarin erhob sich und trat etwas näher an den Spiegel heran. Gespannt richtete Erin sich in ihrem Stuhl auf, um mit angehaltenem Atem zu beobachten, was nun geschehen würde. Die Kelvezu sprach ein Befehlswort, woraufhin das Spiegelglas kurz aufleuchtete. Dann wurde ein Bild von Rotschleier darin sichtbar – in all ihrer geradezu schmerzhaften Schönheit. Die Mähne von tiefschwarzem Haar, das über ihren Rücken floss, ihre vollen Lippen und die hohen Wangenknochen verbanden sich mit der rötlichen Haut, den geschwungenen Hörnern und den großen, ledrige Schwingen zu einem atemberaubenden Anblick. Der schwarze, goldbestickte Stoff ihres Gewandes ließ so viel erspähen, dass niemand die Perfektion ihres Körpers übersehen konnte, verhüllte aber noch genug, um die Fantasie anzuregen.
Ihr bloßer Anblick genügte gewiss, den anwesenden Männern eine Hitzewelle durch ihr Innerstes zu jagen, und Erin stellte fest, dass auch sie selbst dagegen nicht ganz gefeit war. Allein durch Rotschleiers Bild im Spiegel schien es einige Grad wärmer im Raum zu werden. Die Bundmeisterin sah, dass vor allem Sgillin wie gebannt auf den Spiegel starrte. Die anderen Herren gaben sich mehr Mühe, ihre Faszination zu verbergen, es war aber klar, dass der Anblick der Dämonenfürstin niemanden völlig ungerührt ließ. Als Sarin näher an den Spiegel trat, war auch ihm anzumerken, dass die Succubus, die ihm entgegen blickte, einen gewissen Eindruck auf ihn machte, sicher vor allem verbunden mit der Vorstellung eines Kusses. Es war schwer, in diesem Moment nicht daran zu denken.
„Bundmeister Sarin, ich grüße Euch“, sagte sie mit einem Lächeln, das süßlich und anzüglich zugleich war. „Ich bin sicher, man hat Euch inzwischen meine Nachricht und die damit verbundene Forderung überbracht. Natürlich arbeitet Ihr gewiss gerade an dem einen oder anderen Plan - wer würde das nicht? Einem Plan, wie Ihr Euch all dem entziehen und dennoch Eure wertvollen Bundmitglieder - die ja streng genommen gar nicht Eure sind - wieder bekommen könnt.“Sarin verzog kurz den Mund, als sie so zielsicher korrekt vermutete, was in Sigil gerade geschah.
Mit einem spielerischen Ausdruck des Tadels hob sie nun den Zeigefinger. „In aller Güte möchte ich Euch davon natürlich abraten, auch wenn ich weiß, dass das nicht viel fruchten wird. Ich möchte Euch hiermit meine Konditionen für unser Treffen unterbreiten. Natürlich erwarte ich nicht, dass Ihr nach Bruchstein kommt, und schon gar nicht alleine, nein. Und Ihr nehmt gewiss nicht an, dass ich nach Sigil komme.“
Sarin verschränkte die Arme. Da es sich um eine in dem Spiegel aufgezeichnete Nachricht handelte, auf die er nicht antworten konnte, blieb ihm nichts anderes übrig, als sich ihre Bedingungen anzuhören.
„Ich schlage daher ein Treffen auf neutralem Grund vor“, erklärte Rotschleier, nun ernster. „Jeder bringt nur eine überschaubare Anzahl an Leuten mit. Ihr zehn und ich zehn. Das ist alles. Keine Armeen, keine Heere von Leibwächtern. Ihr gebt mir zudem Euer Wort, dass Ihr nicht versuchen werdet, mich in irgendeiner Weise zu hintergehen, Euer Wort als Paladin. Ich bekomme einen Kuss, Ihr bekommt Lereia, Yelmalis und Garush. Ich versichere Euch, dass es ihnen gut geht und keiner ihnen etwas angetan hat. So soll es auch bleiben, nicht wahr?“
Ein erleichtertes Aufatmen war zu hören, vor allem von Ambar und den Erwählten. Erin vermutete, dass Rotschleier hier die Wahrheit sprach. Da sie die Gefangenen weiterhin als Druckmittel brauchte, waren sie wahrscheinlich – noch – einigermaßen sicher.
„Ich möchte Euch aber warnen“, fuhr die Dämonin dort. „Und auch all jene, die ganz sicher gerade mit Euch zusammen an dieser Sache arbeiten. Sollte es irgendein Anzeichen für einen Betrug geben, so werden die drei Gefangenen sterben. Ich werde immer fähige Dämonen in ihrer Nähe halten, die ihrem Leben ein Ende setzen, wenn Ihr versucht, mich zu hintergehen. Aber das versteht sich ja im Grunde von selbst, nicht wahr?“ Sie lächelte finster. „Also, zusammenfassend: Wir treffen uns auf neutralem Boden, jeder hat maximal zehn Leute dabei, egal wen. Ihr küsst mich, dann bekommt Ihr die Gefangenen, die ich mitbringen werde. Wenn irgendetwas schief geht oder ich auch nur annehme, dass Verrat im Spiel ist, sterben die drei. Eine einfache Abmachung, nicht wahr?“
Erin sah, wie sich Sarins Hände langsam zu Fäusten ballten. Die unheilige, aber deswegen nicht minder starke Anziehungskraft der wunderschönen Dämonin verbunden mit ihrer ungeheuerlichen Forderung und der dreisten Erpressung – es war gewiss nicht leicht zu ertragen, noch weniger als Paladin und Gemahl einer Frau, der man in einer glücklichen Ehe verbunden war. Doch er hielt an sich und hörte sich die Nachricht bis zum Ende an.
„Übermittelt mir Eure Antwort bis morgen Abend in diesem magischen Spiegel oder einem anderen Mittel Eurer Wahl“, forderte Rotschleier ihn auf. „Lasst Euch nicht länger Zeit, sonst werde ich einen der Gefangenen töten! Mir bleiben ja noch zwei, die Euch sicher auch teuer sind. Ich weiß noch nicht, wen. Das entscheide ich nach Laune. Gebt meiner Botin den Spiegel morgen mit. Oder tötet sie und schickt einen anderen Boten, das ist mir eigentlich egal. Ich wünsche den Segen der Dame, Bundmeister Sarin und erwarte gespannt, Euch zu begegnen.“
Dann verblasste das Bild und Sarin starrte auf seine eigene Reflexion im Spiegel. Mit finsterem Blick sah er für einen Moment hinein, dann ballte er die linke Hand zur Faust und schlug mit der Rechten gegen die Scheibe, nur mit den Handballen, doch ließ es den Spiegel splittern und brechen.
Erschrocken wich die Kelvezu ein Stück zurück.
„Kiyoshi!“, sagte Sarin mit rauer Stimme. „Die Männer draußen sollen diesen Dämon hier festnehmen und in der Kaserne inhaftieren.“
Der junge Soldat nickte knapp, öffnete die Türe wieder und sah nach draußen. „Kameraden, Befehl des Bundmeisters: Die Dämonin wird festgenommen.“
Der Dekurio salutierte. „Natürlich!“
Er und ein anderer Offizier führten die Kelvezu ab, die keine Anstalten machte, sich zu widersetzen.
Als Kiyoshi die Türe wieder schloss, ließ Mallin ein grimmiges Knurren hören. „Reizend.“
Sarin rieb sich die Schläfen, als er wieder zu seinem Stuhl ging, sichtlich bemüht, seine Fassung zurück zu gewinnen.
„Wenn der Kuss nicht in Bruchstein stattfinden soll“, warf Sgillin nun vorsichtig ein, „dann eröffnet uns das vielleicht neue Möglichkeiten.“
Erin bedachte ihn mit einem freundlichen Blick, um zu verdeutlichen, dass sie nun alle in einem Boot saßen und seine Bundzugehörigkeit zumindest im Moment keine Rolle für sie spielte. „Inwiefern, Sgillin?“
„Wir bringen zehn Leute mit und sie zehn“, erklärte der Waldläufer. „Wir haben aber noch die drei Gefangenen, wir sind also schon dreizehn. Und wir sind auf neutralem Boden, was unsere Chancen auch deutlich verbessert, im Gegensatz zu Bruchstein. Des Weiteren haben wir die Möglichkeit, unsere Gaben zu nutzen.“
„Habt Ihr nicht gehört, was diese Frau gerade gesagt hat?“, warf Ambar mit Nachdruck ein. „Dass sie beim ersten Anzeichen, dass etwas nicht stimmt, die Gefangenen tötet!“
Sgillin nickte. „Richtig. Aber angenommen, es gelänge mir, den Körper mit dem zu tauschen, der die Gefangenen bewacht ...“
Der Barde schüttelte den Kopf. „Und wenn mehr als einer die Gefangenen bewacht? Was ich für wahrscheinlich halte.“
„Dann könnte ich den Überraschungseffekt nutzen“, gab Sgillin zu Bedenken. „Lereia kann, wenn sie schnell genug reagiert, ihre Gabe einsetzen, um mindestens einen Wächter auszuschalten. Und ich denke, Garush wird auch nicht tatenlos zusehen.“
„Ein wenig viele wenns“, meinte Ambar skeptisch. „Das Risiko, dass die Gefangenen bei einer solchen Aktion getötet werden, ist sehr hoch!“
Morânia teilte offenbar die Bedenken des Barden. „Wir dürfen zudem nicht vergessen, dass Rotschleier eine Meisterin der Gifte ist“, sagte sie. „Sie hat mit Sicherheit Zugriff auf Substanzen, die eine Heilung und somit Rettung der Gefangenen unmöglich machen.“
Sgillin nickte und ließ ein wenig die Schultern hängen. „Aber auf der anderen Seite steht nur der Kuss ... oder eine Befreiungsaktion in Bruchstein selbst.“
Ambar atmete tief durch und sah zu Sarin. „Darf ich ... die ganz blasphemische Frage in den Raum werfen ... ob der Kuss ... in irgendeiner Weise in Frage kommt?“
Der Paladin blickte auf. „Auf diese Frage warte ich schon lange und mich wundert, dass sie nicht früher gestellt wurde.“
„Also zieht Ihr es in Betracht?“ Der Halbelf schien den Atem anzuhalten.
Sarin musterte ihn ernst. „Wisst Ihr, was das für mich bedeuten könnte, Ambar?“
„Ja“, erwiderte der Barde leise. „Natürlich.“
Eine Weile herrschte Stille, dann ergriff Terrance das Wort. „Falls Ihr Rotschleiers Einfluss fürchtet - und dies zu Recht - gibt es Wege, Euch davor zu schützen.“
Sarin seufzte tief. „Aber es geht nicht nur um die Auswirkungen dieser Sache und wie ich mich vor ihnen schütze. Ist Euch klar, was Ihr von mir verlangt? Einen so mächtigen Succubus zu küssen? Versteht Ihr nicht, was das für mich bedeuten könnte?“ Er war spürbar zerrissen und Erin fühlte mit ihm. Er war eine mehr als schwierige Entscheidung.
Terrance nickte. „Ja“, erwiderte er, knapper als gewohnt. „Das ist schon klar, das wäre ein Problem … insbesondere für einen Paladin.“
Er bemühte sich sichtlich um einen neutralen Tonfall, doch natürlich traf er bei Sarin einen wunden Punkt und so war es nicht weiter verwunderlich, dass der Paladin sich angegriffen fühlte.
„Dass Euch das nicht berührt, ist mir schon klar“, knurrte Sarin. „Athar …“
Erin sah alarmiert zu Rhys, die ebenfalls die beiden Männer besorgt musterte. Die Gefahr einer unschönen Auseinandersetzung lag in der Luft.
Terrance lehnte sich zurück. „Ich sagte nicht, dass es mich nicht berührt. Aber ich glaube, das eigentliche Kernproblem ist nicht meine Aussage gerade eben, sondern dass es Euch stört, dass ich klerikale Macht besitze ohne an die Götter zu glauben.“ Seine Stimme war ruhig, aber seine Aussage barg natürlich weiteren Zündstoff.
„Ja!“, erwiderte Sarin denn auch heftig. „Ja, das stört mich sogar ganz gewaltig. Weil es falsch ist!“
„Falsch?“ Nun war das erste Mal Unmut in Terrances Stimme zu hören. „Und wer legt bitte fest, was richtig ist und was falsch? Ihr? Das Harmonium? Bei der Dame, heute seid Ihr wieder in Höchstform. Ihr strengt mich manchmal unglaublich an, Sarin.“
Erin konnte beobachten, wie Naghûl in seinem Stuhl etwas kleiner wurde, während Mallin dem Bundmeister der Athar einen vernichtenden Blick zuwarf.
„Ich kann Euch dasselbe bescheinigen“, fuhr Sarin den Hohepriester des Großen Unbekannten an. „Aber welche Art von Verständnis habe ich schon erwartet von einem Mann, der seine Göttin verraten hat, der er alles verdankte?“
Terrances Augen wurden dunkler. „Was ich in meinem Leben erreicht habe, verdanke ich mir selbst! Und wie könnt Ihr es wagen zu behaupten, ich hätte meine Göttin verraten? Mein Glaube hat sich geändert, und als ich das merkte, habe ich genug Ehrlichkeit und Anstand besessen, mein Amt sofort niederzulegen!“
Erin verspürte den Drang, verbal zwischen die beiden Männer zu treten, doch sie hielt sich zurück. Zwischen Harmonium und Athar gab es nun einmal tiefgreifende philosophische Differenzen und es stand ihr nicht zu, die Position eines – oder beider – ihrer Kollegen zu schmälern, indem sie ihren Disput herunterspielte. Nur wenn sie sich von sich aus einigten, würde dies ihre Allianz dauerhaft festigen. Auch keiner der anderen Anwesenden mischte sich ein, der Raum schien den Atem anzuhalten.
Terrance maß Sarin noch immer mit finsterem Blick. „Also hört auf, in diesem Zusammenhang ein Wort wie Verrat in den Mund zu nehmen! Ihr seid frustriert, dass Ihr gerade nicht so handeln könnt, wie Ihr es eventuell für unabdingbar haltet, weil Eure Göttin Euch das verbietet. Und ich bin diesen Einschränkungen nicht unterworfen und besitze dennoch dieselbe Macht. Und das ist es, was Euch stört.“
„Ja!“, fuhr Sarin ihn an. „Ja, das und Euer ganzer Bund von verbitterten, blasphemischen, die Götter verachtenden Möchtegern-Heilsbringern!“
Erin biss sich im Angesicht von Sarins kaum unterdrückter Wut auf die Lippen, doch entgegen ihrer Befürchtungen wurde Terrance nun wieder ruhiger.
„Danke, dass Ihr mir so ehrlich ins Gesicht sagt, was Ihr von mir haltet“, sagte er trocken. „Ich würde durchaus den Drang verspüren, mich aus dieser Sache herauszuziehen, aber mein Gewissen steht dem im Weg.“ Er lehnte sich zurück, verschränkte die Arme und schwieg dann.
Man konnte Sarin ansehen, dass er seinen Ausbruch bereits bereute, denn er schloss die Augen, wohl in dem Versuch, sich ebenfalls zu beruhigen.
Rhys räusperte sich, beschloss offenbar, nun doch dazwischen zu gehen. „Wir sollten dieses spezielle Thema auf einen anderen Zeitpunkt verschieben ... oder auch fallen lassen, nehme ich an.“
Erin streckte ihre Hand aus und legte sie sacht und vorsichtig auf den Unterarm ihres Kollegen vom Harmonium. „Sarin, jeder, ausnahmslos jeder in diesem Raum, hat Verständnis dafür, wenn Ihr das nicht tun wollt oder werdet.“
„Es ist nicht so, dass ich nicht helfen will“, erwiderte der Paladin, unterbrach sich aber, als ein leises Ächzen aus Janas Richtung zu vernehmen war.
Die Hexenmeisterin rutschte von ihrem Stuhl und setzte sich davor auf den Boden, dann wurden ihren Augen milchig-weiß und ihr Kopf fiel in den Nacken. Als sie in sich zusammensackte, beugte der neben ihr sitzende Terrance sich rasch vor und hielt sie an den Schultern, damit sie nicht zur Seite umkippen konnte.
Hashkar hob seine buschigen, weißen Brauen und musterte den Vorgang interessiert. „Hat sie eine Vision?“
Ambar nickte. „Es scheint so.“
Eine Weile saß Jana ganz still da, nur ihre Augen bewegten sich immer wieder hin und her. Alle Anwesenden beobachteten sie gespannt, doch niemand sagte etwas, wie um die Vision nicht zu stören – auch wenn dies wahrscheinlich gar keinen Einfluss gehabt hätte. Nach etwa einer Minute kam Jana wieder zu sich und schnappte nach Luft.
Terrance beugte sich zu ihr hinunter. „Ist alles in Ordnung?“, fragte er, trotz seiner früheren Verstimmung über die Sache mit Grace eindeutig besorgt.
„Ja, Bundmeister“, murmelte die Hexenmeisterin. „Danke.“ Hastig stand sie auf und setzte sich wieder auf ihren Stuhl.
Mallin war der erste, der die darauf folgende Stille brach. „Macht es nicht so spannend“, forderte er sie ungeduldig auf. „Was habt Ihr gesehen?“
Jana warf Terrance einen fragenden Blick zu und er nickte auffordernd, nicht ohne Mallin aufgrund seines barschen Auftretens mit einem tadelnden Kopfschütteln zu bedenken.
„Da war ein Raum“, erklärte die Hexenmeisterin nun. „Er war rund und hatte eine ziemlich hohe Decke. Dort sah ich eine ganze Reihe von Personen. Ich kann mich nicht an alle erinnern, aber Bundmeister Ambar habe ich erkannt, ebenso wie Bundmeister Terrance und die hier anwesenden Erwählten. Dann hat Bundmeister Sarin den Raum betreten, in kostbaren Gewändern, und er sprach für einen Moment mit Euch, Bundmeister.“ Sie blickte zu Terrance. „Auch Bundmeister Ambar hat etwas gesagt, aber ich konnte es nicht verstehen. Dann verschwanden alle Personen aus dem Raum, wie bei einem Zeitsprung, und für einen kurzen Moment war Rotschleier zu sehen. Dann verschwand auch sie wieder und ich sah erneut Bundmeister Sarin, zusammen mit seiner Frau.“
Sarin hob die Brauen. „Mit meiner Frau?“
Jana nickte. „Ihr … habt sie im Arm gehalten, Bundmeister“, antwortete sie leise.
„Habe ich das?“, murmelte der Paladin.
„Ihr schient nicht besonders glücklich“, erklärte Jana und wirkte dabei recht bedrückt.
Sarin musterte sie eine Weile, nickte dann aber nur langsam und lehnte sich nachsinnend im Stuhl zurück.
Hashkar runzelte die Stirn. „Soll das nun heißen ...?“ Untypischerweise führte er seinen Gedanken nicht zu Ende und wirkte auch nicht sehr glücklich darüber.
„Das wissen wir nicht“, erklärte Terrance ruhig. „Wir wissen nur, was Jana gesehen hat.“
Eine Weile lag tiefe Stille über dem Raum. Alle schienen ihren Gedanken nachzuhängen und zu überlegen, was Janas Vision, in Verbindung mit den Antworten der Botin und Rotschleiers Nachricht, wohl bedeuten mochte.
Schließlich blickte Terrance auf und sah zu seinem Kollegen vom Harmonium. „Ich möchte mich entschuldigen, Sarin. Ich war etwas heftig. Ich weiß, dass Euer Glaube Euch sehr viel bedeutet. Ich wollte ihn nicht kleinreden.“
Sarin lächelte tatsächlich auf diese Worte hin und winkte mit einem Anflug von Erschöpfung ab. „Ja, schon gut. Und ich hätte das mit dem Verrat nicht sagen sollen. Ich bitte um Verzeihung.“
„Ihr habt gesagt, was Ihr denkt“, erwiderte der Hohepriester sachlich. „So ist das mit Athar und Paladinen nun einmal.“
Da war er, der gemeinsame Grund, von dem Erin gehofft hatte, dass die beiden Männer ihn selber finden mochten. Von dem sie sicher gewesen war, dass sie ihn finden würden. Es erleichterte sie, dass gerade in dieser schwierigen Lage die neue Allianz ihrer Bünde nicht zu splittern drohte.
Mallin hingegen brummte ungeduldig. „Wie schön, dass Ihr einander so gut versteht. Allerdings löst es das Kernproblem nicht. Wie gehen wir mit Rotschleier um? Kuss? Heimliche Rettungsaktion? Offener Kampf?“
„Rotschleier hat doch sicherlich genug Neider“, gab Naghûl nun zu Bedenken. „Auch solche, die Bruchstein nur zu gerne angreifen würden. Ein Zusammenhang mit uns wäre nur schwer herstellbar. Aber in einem solchen Chaos könnte man auch Erfolg haben.“
Ambar runzelte die Stirn. „Ich dachte, wir hätten einen direkten Angriff ausgeschlossen.“
So selten Göttermenschen und Gnadentöter auch einer Meinung waren, in diesem Fall stimmte Mallin dem Barden zu. „Ich glaube nicht, dass wir die Zeit haben, mit anderen zwielichtigen Elementen eine Quasi-Allianz gegen Bruchstein zu schmieden. Rotschleier will morgen eine Antwort und ...“
„Ich werde es tun.“
Alle Blicke richteten sich auf Sarin, der sich in seinem Stuhl aufgesetzt hatte und nun ernst in die Runde blickte.
Mallin stockte auf seinen Einwurf hin. „Sarin ...“
Erin spürte ihr Herz sinken und sah, wie ihr gegenüber Naghûl und Morânia einen besorgten Blick tauschten.
Sarin aber sah zu Mallin. „Es ist, wie Ihr sagt: Für all diese Pläne lässt Rotschleier uns keine Zeit.“ Er hob die Hand, um eine Erwiderung seines Kollegen zu unterbinden. „Nein, im Ernst. Ich mache es.“
In Terrances Blick stand eindeutige Überraschung. „Seid Ihr Euch sicher?“
„Ja“, entgegnete Sarin ernst. „Sonst hätte ich es nicht gesagt. Und ich werde Euch auch erklären, warum. Einen direkten Angriff halte ich für absoluten Wahnsinn. Rotschleier hat ihre Festung gegen so manchen Dämonenprinzen verteidigt, erfolgreich. Außerdem nehme ich ihre Drohung sehr ernst, die Gefangenen zu töten, sobald sie auch nur ein Anzeichen sieht, dass wir sie hintergehen wollen. Sie ist nicht umsonst seit so langer Zeit in der Abyss und noch am Leben und mächtig. Ich traue ihr das ohne Weiteres zu. Ich sage nicht, dass es unmöglich ist, vorher die Leben der Gefangenen zu retten. Aber es ist ebenso möglich, dass sie dabei sterben. Lady Morânia sagte es, Rotschleier ist eine Meisterin der unvorstellbarsten Gifte. Wer weiß, was sie im Ärmel hat. Es könnte irrsinnig schnell gehen. Und wir wissen von Yelmalis, dass die Vergangenheit nicht immer geändert werden kann ... oder die Zukunft. Es ist eine sehr spezielle Lage und das Risiko für die Gefangenen äußerst hoch. Würden wir gegen einen Haufen Gnolle stehen, würde ich sagen: drauf. Aber es ist Rotschleier, das ist eine andere Liga. Ich ... habe mit meiner Frau darüber gesprochen. Sie ist der einzige Mensch, dem ich in dieser Sache Rechenschaft schuldig bin, und sie ist einverstanden.“ Nach diesen Worten lehnte er sich in seinem Stuhl zurück und sah vor sich auf den Boden, sein Blick der eines Mannes, der etwas Unausweichliches akzeptiert hat.
Das Schweigen im Raum nach dieser Erklärung war geradezu greifbar. Erin fühlte eine Mischung aus Erleichterung und tiefer Sorge, eine Gemütslage, die offenbar Ambar, Naghûl, Morânia und auch Kiyoshi teilten. Jana dagegen wirkte zwar ebenso erleichtert, schien aber nicht besorgt, sondern mehr als zufrieden über Sarins Entscheidung – möglicherweise gerade weil er seinen Status als Paladin dadurch gefährdete. Die Bundmeisterin der Sinnsaten spürte, dass Janas Reaktion sie verärgerte, zum einen weil ihr selber viel an Sarin lag, zum anderen aber auch, weil sie ein derartiges Verhalten innerhalb einer gemeinsamen Allianz als unangemessen empfand. Sgillin hingegen schien ehrlich überrascht zu sein und trotz der Querelen zwischen ihm und Sarin doch irgendwie betroffen. Ganz ähnlich war auch Terrances Reaktion einzuordnen. Rhys war ruhig und gefasst wie gewohnt, wirkte jedoch ernster als sonst. Dasselbe traf auf Hashkar zu, während Mallin deutlich anzumerken war, das Sarins Entscheidung ihn alles andere als glücklich machte.
Erin sah zu dem neben ihr sitzenden Paladin und widerstand der Versuchung, ihm abermals die Hand auf den Arm zu legen. „Sarin ...“, sagte sie stattdessen langsam. „Ich ... also, das ist eine sehr riskante Sache. Die Botin sagte ausdrücklich ...“
„Es ist, wie es ist“, erwiderte der Bundmeister des Harmoniums knapp, aber nicht abweisend.
Mallin musterte ihn ernst. „Sarin ... Garush liegt mir sehr am Herzen und ich möchte sie unbedingt heil zurück haben. Aber dennoch bin ich nicht sicher, ob Ihr das tun solltet.“
Sarin schüttelte den Kopf, wie um weitere Diskussionen über seine Entscheidung zu unterbinden. „Ich glaube, irgendwie ... soll es so sein.“
„Ich ahne, woran Ihr denkt ...“, meinte Rhys.
Naghûl richtete sich nun wieder in seinem Stuhl auf. „Ich glaube, Bundmeister Sarin hat Recht“, sagte er ernst. „Es scheint, als bliebe nichts anderes übrig.“
Hashkar seufzte tief. „Dieser Gedanke stimmt mich nicht gerade glücklich.“
„Mich auch nicht, werter Kollege“, erwiderte Sarin. „Aber aufgrund der vorliegenden Fakten scheint es keinen anderen Weg zu geben. Rotschleier will morgen eine Antwort und wird sie bekommen. Somit bleiben noch mehrere Fragen: Wo und wann genau soll der Kuss stattfinden? Das wird sie mir gewiss bald mitteilen und ich vermute, sie wird nicht lange abwarten wollen. Wir sollten uns also darauf einstellen, dass es schon in zwei oder drei Tagen so weit ist. Als nächstes stellt sich die Frage, wer mich begleiten wird. Darüber werde ich mir im Laufe des Tages Gedanken machen. Und letztlich ...“ Er sah zu Terrance. „Letztlich ist eine sehr wichtige Frage auch noch: Könnt Ihr mich gegen den Einfluss dieser Frau schützen?“
Diese direkte und offene Frage überraschte Erin und auch Terrance hob verwundert die Brauen. „Ich? Seid Ihr sicher?“
Sarin zog missgestimmt die Brauen zusammen. „Ich würde gerne behaupten, ich wäre mir sicher, alleine stark genug zu sein. Aber ich möchte es nicht riskieren, am Ende aus falscher Eitelkeit diesem Weib verfallen zu sein.“
Ein gewisser Sarkasmus fand nun Einzug in Terrances Stimme, jedoch war es eher Selbstironie als Zynismus. „Der Bundmeister der Athar hilft dem Bundmeister des Harmoniums, damit dieser nicht womöglich seinen Paladin-Status verliert? Bei der Dame ...“
Sarin seufzte. „Weil dieser Paladin einen Succubus küssen wird, was er niemals tun dürfte, wegen einer Prophezeiung, von der wir nicht wissen, wohin sie uns führt. Beides ist absurd genug, da passt es wenigstens zusammen.“
Hashkar musterte seinen Kollegen nachdenklich. „Eine ungewöhnliche Logik, mein Freund, aber eine, gegen die ich im Moment wenig einwenden kann.“
Als Sarins Entscheidung gefallen war, spürte Erin, wie der Hoffnungsfunke für das Überleben der Gefangenen zu einer stetigen Flamme heranwuchs. Doch zugleich war dieses Licht überschattet von Sorge und düsteren Vorahnungen. Falls es wirklich zu diesem Kuss kam, was mochten die Folgen sein? Selbst wenn die Botin dies hätte beantworten können, war Erin nicht sicher, ob sie es hätte hören wollen.
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gespielt am 16. April 2013





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