„Heilung ist eine Frage der Zeit, aber manchmal auch eine Frage der Gelegenheit. “
Hippokratos, Olympischer Heiler
Dritter Stocktag von Mortis, 126 HR
Terrance stand in seinem Quartier am Fenster und blickte über den Ring der Athar. Die zerstörten Häuserblocks, stumme Zeugen des lange zurückliegenden Zorns der Dame, umgaben den Zerschmetterten Tempel wie Mahnmale und Wächter zugleich. Den ganzen Tag über hatte der Himmel die dunkelgraue Farbe eines nassen Steins gehabt. Dünne, tiefhängende Wolkenfetzen waren durch den Ring gesegelt, wie von einem plötzlichen Windhauch ergriffene Spinnweben. Unter den häufigen Regenschauern hatte die Stadt der Türen kühl und trist gewirkt. – Ein normaler Tag, in anderen Worten. Nun hatte sich die Dunkelheit über den Ring gelegt und für gewöhnlich hätte Terrance um diese Zeit mit einem Buch und einem Glas Wein vor seinem Kamin Platz genommen. Doch heute erwartete er noch Besuch, und zwar von seiner langjährigen Freundin Elyria. Die Lupinal war eine Priesterin der Mishakal und wie er selbst lange in deren Kloster Conclave Fidelis im Elysium tätig gewesen. Von dort kannte Terrance sie, sie war die Archivarin des Conclave gewesen, als er dort als Patriarch gewirkt hatte. Die Erinnerung an Elyria war wie ein warmer Sonnenstrahl, der durch die trüben Nebel von Terrances Gedanken brach. Er sah sie vor sich, wie sie in den Beeten mit den Heilkräutern das Unkraut gejätet hatte, damals in den friedlichen Gärten des Conclave. Er hatte ihr dabei geholfen und sie hatten sich unterhalten. Selten über den Glauben oder die Grundsätze Mishakals. Über diese waren sie sich – damals noch – ohnehin einig gewesen. Nein, sie hatten sich über verschiedene Heilpflanzen und Trank-Rezepte ausgetauscht, über Bücher und Geschichten, über das Leben an sich … Jetzt, viele Jahre später, stand er hier, im Herzen des Zerschmetterten Tempels, Bundmeister der Athar, ein Mann, der die Legitimität der Götter in Frage stellte. Und doch, die Wärme ihrer Freundschaft hatte all die Jahre überdauert, ein stilles Versprechen, dass manche Bande tiefer reichten als die Kluft von Ideologien. Ein leises Klopfen riss ihn aus seinen Gedanken.
Jaya, seine rechte Hand in klerikalen Fragen und wie eine Tochter für ihn, öffnete die Tür zu seinem Gemach, als er die Erlaubnis zum Eintreten erteilte. „Bundmeister“, sagte sie und knickste leicht. Diesen Rest an Etikette hielt sie auch in vertrautem Kreise meist ein, obgleich er es nicht erwartete. „Ihr habt Besuch.“
Hinter Jaya trat Elyria in den Raum. Ihr silber-graues Fell ging am Hals in ein helles Weiß über und sie trug ein aufwändig besticktes Kleid, wie meist in den Farben türkis und blau. Ein Diadem aus Silber und Malachit schmückte ihre Stirn. „Ich grüße dich, Terrance“, sagte sie mit warmer Stimme. Das Strahlen in ihren smaragdgrünen Augen schien die abendlichen Schatten zu vertreiben, die sich in die Gemächer des Bundmeisters geschlichen hatten.
„Elyria“, erwiderte Terrance erfreut. Er umarmte sie herzlich, ein Geste der Vertrautheit, die er ansonsten nur mit Ambar und ab und an mit Jaya teilte. „Es ist schön, dich zu sehen.“
„Ich freue mich auch, mein Freund“, sagte Elyria, und ihr Blick wanderte kurz durch das Zimmer.
Auch wenn sie sich für gewöhnlich außerhalb des Zerschmetterten Tempels trafen, so war sie doch nicht das erste Mal hier. Der Anblick der entweihten religiösen Artefakte, die Terrances Gemächer schmückten, war ihr somit nicht unbekannt, doch sie ging souverän darüber hinweg. Es war einer der seltenen Momente, in denen Terrance der Einrichtung wegen kurz den Stachel des schlechten Gewissens verspürte. Doch auch er machte sich rasch von diesen Empfindungen frei. Die Freundschaft zwischen einer Priesterin der Mishakal und dem Bundmeister der Athar konnte nun einmal nicht ganz ohne Unebenheiten sein. Er winkte Elyria und Jaya zu, in den Sesseln vor dem Kamin Platz zu nehmen. Die Lupinal setzte sich, während Jaya noch zu dem nahestehenden Regal ging, um eine Karaffe Wasser und eine Flasche Bytopianischen Weißwein zu holen. Während sie sechs Gläser auf ein Tablett stellte und den Wein entkorkte, nahm Terrance neben Elyria Platz und musterte sie nachdenklich. So lange sie schon eine gute Freundin war, so neu war für ihn – und auch für sie selbst – ihre Rolle als Hüterin in der Ring-Prophezeiung. Nach der schicksalsschweren Verkündung der Prophezeiung hatten sie sich noch einmal unter vier Augen getroffen und dabei natürlich auch über die rätselhafte Strophe gesprochen, die Elyria für ihn ganz persönlich enthüllt hatte: Wer rief dich, das Siegel zu erben? Nun sollst du im Finstern dich winden und seufzend, ein Licht zu erwerben, ertauben, verstummen, erblinden! Der Anfang des Wissens heißt: sterben. Das Ende: Im Licht zu verschwinden. Sie waren jedoch übereingekommen, dass es wenig Sinn hatte, sich den Kopf darüber zu zerbrechen, da sie einfach zu wenig wussten, um sinnvolle Schlüsse aus dem mysteriösen Text ziehen zu können.
Doch Elyria hatte ihm ein wenig über ihre und Sir Lorias Rolle in der Prophezeiung erzählt. Die Gabe von Hüterin und Verkünder war offenbar sogar für die beiden selbst schwer zu erklären und zu verstehen. Dies begann damit, dass es die einzige Fähigkeit war, die von zwei Wesen geteilt wurde. Wenn die beiden etwas erfuhren, so hatte Elyria es Terrance erklärt, dann war es, als ob lange verborgene Erinnerungen wieder wach wurden. Erst war dieses Wissen nur in Elyrias Geist, wo es scheinbar versteckt und geheim schlummerte und gehütet wurde. Sie wusste um Geheimnisse wie die Prophezeiung, konnte sie jedoch nicht artikulieren und aussprechen. Durch einen geistigen Kontakt, der seit dem Erwachen der Gaben zwischen Hüterin und Verkünder bestand, konnte Sir Lorias dieses Wissen, nachdem es erwacht war, in Worte fassen. Erst dann konnte auch Elyria aussprechen, was sie in ihrer Seele schon vorher gewusst hatte. So war es den beiden ergangen, als sie das erste Mal einen Teil der Ring-Prophezeiung gelesen hatten. Plötzlich war danach das Wissen um die vollständige Prophezeiung in Elyria erwacht. Umso verwirrender war dies gewesen, da die beiden sich erst zufällig in der Bibliothek in der Stadt des Sterns kennengelernt hatten, in der sie über das Fragment der Prophezeiung gestolpert waren. Elyria schien Terrances Gedanken zu erahnen, denn sie lächelte wissend, als er sie musterte. Er räusperte sich entschuldigend, doch sie winkte begütigend ab. Offenbar konnte sie nur allzu gut verstehen, welche Fragen ihm durch den Kopf gingen. Schließlich kam Jaya wieder zum Kamin, stellte das Tablett mit Wein und Wasser ab und nahm ebenfalls Platz.
Elyria griff zu einer ledernen Umhängetasche, deren Verschlussklappe wie ein großes Ginkgoblatt geformt war. „Du hattest mich um etwas gebeten“, wandte sie sich an Terrance.
Er nickte ernst. „Du hast es mitgebracht?“
„In der Tat.“ Sie nahm einen kleinen Gegenstand aus der Tasche und reichte ihn Terrance.
Es handelte sich um etwas dünnes, schmales, eingeschlagen in weichen, hellen Stoff. Der Bundmeister der Athar nahm das Päckchen entgegen und öffnete es vorsichtig. Zum Vorschein kam ein Bündel getrockneter Stängel mit blassblauen Blüten. Die Blütenblätter waren zart und durchscheinend und verströmten einen leichten, süßen Duft. Terrance nickte sacht. Elysische Mondwinde. Man fand diese Pflanze nur auf der Subebene Amoria, daher hatte er Elyria gebeten, ihm ein paar der Blumen nach Sigil zu bringen. Auch Jaya hatte die Blüten offenbar erkannt, er hatte ihr jedoch nicht erzählt, wofür er sie im Speziellen benötigte. So ging sie wohl davon aus, dass es sich um nichts weiter handelte als um das routinemäßige Brauen eines Trankes, derer Terrance viele herstellte, auch jetzt noch als Bundmeister. Elyria schien zu ahnen, dass ein wenig mehr dahinter steckte, doch sie war diskret genug, um keine Fragen zu stellen. Irgendwann würde Terrance ihr vielleicht verraten können, wofür er die Mondwinde gerade an diesem Tag brauchte. Doch im Moment musste dies noch ein gut gehütetes Geheimnis bleiben.
So schlug er die blauen Blüten wieder in den Stoff ein und legte sie neben seinem Weinglas auf den Tisch. „Ich danke dir, Elyria. Hast du sie aus …?“
Sie nickte sacht. „Aus den Gärten des Conclave Fidelis. Cebulon lässt dir übrigens seine Grüße ausrichten. Er hofft, dass es dir gut geht.“
„Danke.“ Terrance lächelte warm. „Bitte bestelle ihm ebenso meine herzlichsten Grüße. Die Gärten des Conclave sind ein Teil meiner Vergangenheit, an den ich mich gerne erinnere – ebenso wie die Gespräche mit ihm.“
Es herrschte einen Moment lang Stille, nur unterbrochen vom leisen Knistern des Feuers im Kamin.
Elyria sah nachdenklich in die Flammen, dann richtete sie ihren Blick wieder auf Terrance. „Vermisst du das Elysium?“, fragte sie sanft. „Vermisst du den Frieden und die Gewissheit, die wir dort hatten?“
Terrance schwieg lange. Er dachte an die grünen Hügel rund um das Conclave, an die lauen Winde, an den Duft der Amorianischen Wildrosen. Er dachte an die Freundschaft zu Elyria und Cebulon und an das Gefühl unerschütterlicher Zugehörigkeit. „Ja“, sagte er schließlich. „Ich vermisse es. Manchmal sogar sehr. Aber ich kann nicht zurück, Elyria. Ich habe meinen Weg gewählt. Und ich bereue nicht, mich für ihn entschieden zu haben.“
Elyria nickte. „Ich verstehe“, sagte sie. „Ich schließe dich stets in mein Gebet ein, Terrance. Ich hoffe, du nimmst daran keinen Anstoß. Aber ich werde den Eindruck nicht los, dass da neben der Prophezeiung noch etwas anderes ist, das dich beschäftigt, mein Freund.“
Er seufzte. „Du kennst mich zu gut. Um ehrlich zu sein, es geht um Jana. Ich mache mir … Sorgen um sie.“
Elyria schenkte sich nun ein Glas Weißwein ein und musterte Terrance aufmerksam. Sie wusste um die jüngsten Ereignisse, die Jana betrafen: Dass sie den Io-Schrein geschändet hatte ebenso wie gewisse Schwierigkeiten in ihrem Verhältnis zu den anderen Erwählten, seit sie diesen eröffnet hatte, ihnen nicht zu vertrauen. Die Uneinigkeit über das Vorgehen direkt nach der Gefangennahme von Lereia, Yelmalis und Garush war auch nicht förderlich gewesen.
Die Lupinal nickte nachdenklich. „Ihr Geist ist in Aufruhr. Doch ich glaube, mein Freund, du hast Erfahrung in diesen Dingen.“ Ihr Blick wanderte zu Jaya hinüber, in ihren grünen Augen ein entschuldigender Ausdruck.
Doch Jaya lächelte nur. Sie hatte ihren Frieden mit ihrer Vergangenheit gemacht und schämte sich nicht, offen darüber zu sprechen. „Als ich damals nach Sigil kam“, erwiderte sie daher, „war ich in einem Zustand, der durchaus rechtfertigte, mich in das Torhaus zu bringen. Terrance erfuhr von mir durch einen unserer Athaons, der mich in den Außenländern kennen gelernt hatte. Er besuchte mich, wollte sehen, was für eine verzweifelte, junge Frau das war und ob ihr durch die Philosophie der Athar zu helfen wäre. Erst war ich misstrauisch und verschlossen, dann aber öffnete ich mich mehr und mehr. Ein halbes Jahr lang besuchte Terrance mich jeden Tag, sprach mit mir ... und ganz langsam wurde mein Geist wieder klarer. Am Ende konnte ich das Torhaus verlassen und folgte ihm in den Tempel.“ Sie lächelte dem Bundmeister warm zu, in ihren Augen jenes Zutrauen und jene Zuneigung, aus denen die tiefe, vertrauensvolle Bindung sprach, die sie seitdem hatten.
Terrance erwiderte ihr Lächeln. „Heute ist Jaya eine fähige Priesterin des Großen Unbekannten mit festem Glauben und starkem Geist, sogar meine rechte Hand in klerikalen Fragen. Und dennoch ...“ Er seufzte und wurde ernster. „Dennoch sitze ich heute wieder mit einer jungen Frau hier, deren Geist ebenso verwirrt und im Dunkel ist wie damals Jayas. Ich habe Jana nun eine Weile beobachtet. Manches aus ihrer Vergangenheit hat sie mir erzählt, einiges hat sie auch verschwiegen. Vor allem das Dunkle. Sie ist eine ungewöhnliche junge Frau, nicht immer einfach im Umgang. Aber sie ist mir ans Herz gewachsen und ich sehe, dass Reden alleine womöglich nicht hilft.“
Elyria nickte verstehend. „Was sagt Jana selber dazu?“
„Sie sagt, es gehe ihr gut. Sogar so gut wie schon seit langer Zeit nicht mehr. Der Weg vor ihr sei klar und deutlich, sie fühle sich wie befreit und sei voller Hingabe.“
Terrance sah, wie Jaya bei seinen Worten den Kopf schüttelte. Ja, als eine, deren Geist selbst einmal an einem sehr düsteren Ort gewesen war, wusste sie nur allzu gut, dass die Hexenmeisterin sich etwas vormachte.
Elyria lächelte sacht, wenngleich auch sie besorgt wirkte. „Ich denke, es gibt viel Dunkles in Janas Geist und viel Verwirrung. Es scheint eher, als ob sie dies verdrängt.“
„Das sagte ich auch zu ihr.“ Terrance nickte. „Sie fragte, was schlecht an Verdrängung sei, wenn sie ihr doch Frieden gäbe? Ich antwortete, dass Verdrängung nur die Illusion von Frieden gibt, aber keinen echten Frieden. Dass man Dinge dadurch nur wegsperrt. Doch irgendwann werden sie unweigerlich wieder hervorkommen, und dann nur umso wütender und machtvoller, um einen ganz hinab zu ziehen.“
Elyria musterte ihn ernst mit ihren smaragdgrünen Augen. Sie wusste genau, dass er aus persönlicher Erfahrung sprach – und ihm war klar, dass sie es wusste. Der Weg, der ihn vom Conclave Fidelis zum Zerschmetterten Tempel geführt hatte, war lang, gewunden und nicht ohne Schmerz gewesen. Seine langjährige Freundin war jedoch taktvoll genug, dies nicht anzusprechen. „Schreckliche Erlebnisse prägen den Geist von Sterblichen und Unsterblichen gleichermaßen“, erwiderte sie stattdessen. „Manchmal heilt die Seele wieder - und manchmal auch nicht. Aber ebenso wie einen gebrochenen Körper, muss man eine gebrochene Seele heilen, damit der Schmerz vergeht.“
„Wir alle sind durch unseren Weg geprägt“, stimmte Terrance ihr zu. „Aber Jana ist versehrt. Sie hat keine Narben. Sie hat offene Wunden.“
Elyria stellte fast lautlos ihr Weinglas ab. „Es gibt Wege, sich den versteckten Schrecken, die in der Seele lauern, zu stellen. Und ich weiß, dass Ihr, mein Freund, nicht nur ein meisterlicher Heiler körperlicher Gebrechen seid. Ihr versteht auch etwas von der Heilung der Seele.“
„Ich bot ihr an, ihr dabei zu helfen“, erklärte Terrance. „Aber sie meint, es sei ihr Schicksal, diese Wunden zu tragen. Sie sei nicht irgendein Mensch, sie sei die Prophetin. Es sei der Wille des Großen Unbekannten.“
Die Lupinal seufzte. Als Priesterin einer Göttin der Heilkunst betrübte es sie stets, wenn jemand die Aussicht auf Heilung die wahrnehmen wollte. Eine Empfindung, die Terrance teilte, auch jetzt noch als Bundmeister der Athar.
„Ich freue mich, dass sie ihre Rolle in der Prophezeiung endlich anerkennt“, erklärte Elyria. „Du sagtest, das sei ein schwieriger Weg gewesen. Aber umso wichtiger ist es, dass ihre Seele nicht verwundet ist und ihr Geist nicht verwirrt.“
„Sie denkt, es sei vielleicht gerade der Schmerz, der ihr das Sehen ermöglicht“, erwiderte Terrance ernst.
„Als Priesterin einer Göttin der Heilkunst, zweifle ich das an.“ Elyrias Tonfall war nachdrücklicher und energischer als für sie typisch.
Terrance nickte zustimmend. „Und als ein Mann, der sich nach wie vor dem Prinzip der Heilung von Körper und Seele verpflichtet fühlt, habe ich daran ebenfalls Zweifel.“
„Sie denkt also, ihr Zustand sei der Wille des Großen Unbekannten“, meinte Jaya nun. „Verzeiht die Frage, Bundmeister, aber wieso glaubt sie, den Willen des Großen Unbekannten besser zu kennen als Ihr? Wenn sie so sehr in die Macht des Großen Unbekannten vertraut, warum hat sie dann so wenig Vertrauen in den Hohepriester des Großen Unbekannten?“
Terrance schmunzelte ein wenig. Jayas Worte ließen keinen Zweifel daran, dass Janas mangelndes Vertrauen in seine Heilkünste die junge Frau irritierte. Doch er wusste, die Sache ging tiefer. „Ich vermute, das Kernproblem ist ein anderes“, erklärte er daher. „Sie will sich gar nicht an all das erinnern, was sie verdrängt hat.“
„Aber Erinnern ist der Weg zur Heilung“, stellte Elyria ruhig fest. „Wir können unserer Vergangenheit nicht entfliehen. Irgendwann holt sie uns ein, manchmal früher, manchmal später. Wir können nur versuchen, uns ihr zu stellen und zu akzeptieren, was passiert ist. Lorias und ich … lernen das auch gerade.“
Jaya warf der Lupinal einen mitfühlenden Blick zu. „Terrance hat mir erzählt, was Sir Lorias widerfahren ist. Es tut mir unglaublich leid, Elyria. Ich … kann mir gar nicht vorstellen, wie das sein muss.“
Die Priesterin der Mishakal nickte, und obgleich sie sich offenbar um Zuversicht bemühte, war ihr doch anzumerken, dass Sir Lorias versehentliche Verwandlung in einen Untoten sie belastete. „Es ist nicht leicht für ihn. In den letzten fünf Monaten hat er sich bemüht, mit seinem … Zustand klarzukommen. Es gibt bessere und schlechtere Tage. Aber ich versuche, für ihn da zu sein und ihm die Kraft zu geben, durchzuhalten. Seinen Frieden damit zu machen, falls das irgendwie möglich ist.“
Tröstend legte Terrance ihr eine Hand auf den Arm. „Jaya hat Recht, wir können uns nicht vorstellen, was Sir Lorias gerade durchmacht. Und da ihr beide eng verbunden seid, auch du. Aber ich bin sicher, er wird diese schwierige Situation bewältigen, vor allem da du an seiner Seite bist.“
Elyria schenkte ihm ein dankbares Lächeln. „Ich hoffe, ihm eine Stütze zu sein. Auch gibt ihm die Tatsache Kraft, dass sein Gott Nobanion ihn nicht verlassen hat, dass er nach wie vor ein Paladin von Fürst Feuermähne ist. Ich weiß, der Ort ist nicht unbedingt der angemessene für eine solche Bemerkung … aber so ist es.“ Sie machte eine entschuldigende Geste.
„Nein, schon gut.“ Terrance lächelte begütigend. „Damit komme ich klar. Ebenso wie du mit der Inneneinrichtung hier. Unsere Freundschaft hätte ansonsten nicht so lange überdauert. Was Jana angeht … Es gibt zu viele Ängste in ihrem Leben. Man kann Ängsten begegnen und ihnen ihren Schrecken nehmen, doch es fällt leichter, wenn man es nicht alleine tun muss. Ich habe ihr versprochen, dass sie damit nicht allein ist. Ich denke, sie wird sich dafür öffnen, aber sie braucht noch ein wenig Zeit.“
„Dagegen kann niemand etwas sagen“, erwiderte Elyria. „Wenn es soweit ist, bin ich sicher, du wirst ebenso für sie da sein wie ich für Lorias. Und du wirst ihr helfen können.“
„Danke für deine warmen Worte, liebe Freundin“, erwiderte Terrance. „Ich hoffe es sehr.“
Der Rest des Abends verging mit Gesprächen über andere Themen, zum Beispiel über die politische Lage in der Torstadt Excelsior, über die neue Ausstellung der Medusa Magnum Opus im Musée Arcane und über Sangariel, die neueste der vier Gefährtinnen von Lebes, dem Lammasu-Bürgermeister von Herzensglaube auf Celestia. Doch Terrances Blick wanderte immer wieder zur der auf dem Tisch liegenden Mondwinde. Er hoffte beim Großen Unbekannten, dass sie ihren Zweck erfüllen würde.
----------------------
Terrances Beobachtungen zu Jana basieren auf dem Rollenspiel mit Janas Spieler am 14. April 2013.





Kommentare
Kommentar veröffentlichen