„Die Arbeiten an der Xaositekten-"Speiche" sind fast zum Stillstand gekommen. Grund ist ein heftiger Streit unter den Arbeitern über die Frage, ob die Speiche während noch des Baus gestrichen werden oder ob sie zuerst fertiggestellt und dann gestrichen werden soll. Die Xaositekten scheinen in dieser Frage fast gleichmäßig gespalten zu sein, und während die Beratungen weitergehen, wurden die Arbeiten an dem Projekt von Bundmeister Ambar gestoppt. Der Streit ist teilweise sogar in offene Gewalt unter den Xaositekten ausgeartet. Harmoniums-Patrouillen machen Überstunden, um buchstäblich Hunderte von Schlägern rund um die Baustelle zu bändigen. In der Zwischenzeit hat die Revolutionsliga in einer anonymen Notiz die Verantwortung für den Ausbruch des Streits übernommen.“
Meldung in SIGIS
Dritter Kuratorentag von Savorus, 126 HR
Nachdem sie sich von dem neu geborenen Abaiel sowie Elyria und Lorias verabschiedet hatten, schickten die Gefährten sich an, das Labyrinth des Einklangs wieder zu verlassen. Obgleich der Raum, in dem Abaias und Ybdiels wundersame Verschmelzung stattgefunden hatte, offenbar das Zentrum bildete, war der Weg hinaus ungleich kürzer als der Hinweg. Dies bestärkte Morânias Vermutung, dass das Labyrinth veränderlich war und sich stets an die Erfordernisse einer Gruppe oder Aufgabe anpasste, indem es sich selbst neu gestaltete. Vor dem Eingang warteten noch einige der himmlischen Wesen, die sie vor dem Betreten des Labyrinths angetroffen hatten. Unter anderem waren der Per Dargus und die Geliebte des Valarian noch anwesend, die sie nun warm und herzlich zu der bestandenen Prüfung beglückwünschten. Auch die Wächter des Ausgleichs hatten auf sie gewartet, um ihnen alles Gute auf ihrem weiteren Weg, vor allem bezüglich der Prophezeiung, zu wünschen. Und schließlich waren auch Kria und Romar noch geblieben, in gespannter Erwartung, wie die Geschichte mit dem Deva und dem Bebilithen wohl ausgegangen sein mochte. Gefesselt lauschten die beiden der Erzählung der Gefährten und versicherten, sie würden ihren Kindern und eines Tages hoffentlich Enkeln wieder und wieder von diesen wundersamen Ereignissen berichten. Als die Geschichte gebührend erzählt worden war und sich alle himmlischen Wesen verabschiedet hatten, senkte sich bereits eine samtene, violette Dämmerung über den blühenden Orangenhain herab. Sie verbrachten die laue Nacht ohne ein Zelt aufzubauen, einfach unter dem wundervollen Sternenhimmel des Elysiums. In dem Wissen, dass zumindest für diesen Moment alles gut war und sie keine Wachen hierbenötigten, fielen alle in einen tiefen, unvergleichlich erholsamen Schlaf mit angenehmen Träumen. Im Blütenregen der duftenden Orangenbäume nahmen sie am nächsten Morgen ein Frühstück zu sich und machten sich dann auf den Rückweg zum Conclave Fidelis, um den Kelch des Friedens wieder zurückzugeben. Die Reise entlang der Ufer des Stillen Sees und durch den Ornwald gestaltete sich angenehm und überraschend kurz – der Weg des Reisenden rechnete ihnen ihre Taten im Labyrinth des Einklangs wohl entsprechend an. So erreichten sie das Kloster bereits am frühen Nachmittag desselben Tages. Sgillin beschloss jedoch, vor dem Tempel zu warten, während die anderen mit dem Patriarchen Cebulon sprachen. So sehr der Halbelf die Schönheit der elysischen Natur schätzte, so schienen ihm doch all die Begegnungen mit hochgestellten, himmlischen oder gesegneten Wesen und Persönlichkeiten der letzten Tage erst einmal gereicht zu haben. Morânia hatte angenommen, dass auch Jana vor den Toren warten würde, doch zu ihrer Überraschung ging die Hexenmeisterin mit zur Pforte. Verwundert und fragend sah die Bal'aasi sie an.
Jana räusperte sich. „Ich würde Cebulon gerne eine Bitte vortragen, wenn ich das darf.“
Es lag ihr fern, die Athar provozieren zu wollen, zumindest in diesem Moment, aber dennoch konnte Morânia sich ein kurzes Grinsen nicht verkneifen. „An mir soll es nicht liegen … Verlorene.“
„Danke …“ Jana zögerte etwas, wandte sich dann aber entschlossen der Tür zu und trat ein, einige Zentimeter größer als gewöhnlich.
Sie wurden freundlich begrüßt und Morânia übergab einem älteren Mönch den Kelch des Friedens, auf dass er wieder sicher in den Räumen des Conclave verwahrt werden mochte. Kiyoshi hatte die magische Glastruhe getragen, in der Abaia den fuchsgestaltigen Ybdiel transportiert hatte, und überließ sie vertrauensvoll der Gemeinschaft des Tempels. Da man sie inzwischen kannte, wurden sie danach ohne große Umschweife zum Vorsteher des Klosters vorgelassen. Einmal mehr standen sie so in dem mit Sternen und Nachtigallen ausgemalten Sanktum des Tempels, vor jenem Thron, der einst Terrances gewesen war. Cebulon winkte sie freundlich näher, und wie auch bei der ersten Begegnung beugten alle außer Jana das Knie vor ihm. Doch der Patriarch erhob sich von seinem Thron, kam ihnen ein Stück entgegen und bedeutete ihnen sogleich, sich zu erheben – außer Jana natürlich, die er mit einem vielsagenden Schmunzeln bedachte.
„Ich … knie auch vor meinem Bundmeister nicht“, erklärte die Hexenmeisterin. „Und ich würde mir sicher seine Missbilligung zuziehen, wenn … ich es vor Euch täte.“
Cebulon lächelte nachsichtig. „Schon gut. Ich weiß, dass die Verlorenen etwas … speziell sind. Wenn ich nur wüsste, was Terrance zu ihnen zog.“ Er gestattete sich ein kurzes Seufzen, blickte dann aber wieder freundlich in die Runde. „Die Kunde Eurer Mission hat uns schon erreicht. Es hat sich schnell herumgesprochen. Und ich beglückwünsche Euch von ganzem Herzen! Das war eine sehr edle Tat.“
Die Gefährten lächelten und verneigten sich dankend.
„Ihr seid sehr freundlich, Erhabenheit“, erwiderte Morânia. „Doch wir haben nur getan, was wir für richtig hielten.“
„Mit Sicherheit habt Ihr dadurch Freunde hier im Elysium gewonnen“, stellte Cebulon freundlich fest.
Morânia nickte, doch da Jana angekündigt hatte, Cebulon eine Bitte vortragen zu wollen, schwieg sie nun und sah abwartend zu der Hexenmeisterin. Diese holte tief Luft und lächelte tatsächlich auch erleichtert auf die Worte des Patriarchen hin. Dann fasste sie sich offenbar ein Herz.
„Ich … ähm … darf ich eine Bitte äußern?“, wandte sie sich an Cebulon. „Oder … also besser, eine Einladung aussprechen.“
Der Hohepriester hob seine silber-weißen Brauen. „Nun bin ich gespannt.“
„Nach Sigil, in unseren Tempel“, erklärte die Hexenmeisterin, und Morânia bemühte sich, keinen allzu entsetzten Gesichtsausdruck zu machen. „Wir stellen Euch eine mehr als angemessene Unterkunft, und ich werde Euch als persönliche Dienerin für Euren Aufenthalt im Käfig zur Verfügung stehen, damit es Euch an nichts mangelt. Und ich bin sicher, dass auch Bundmeister Terrance ... sich sehr gerne die Zeit nehmen wird, Euch den Tempel zu zeigen und Euch seine Geschichte und die Geschichte unseres Bundes näherzubringen. Ihr … sagtet doch eben selbst noch, das Ihr nur zu gerne seine Entscheidung verstehen wolltet.“
Morânia warf Jana einen skeptischen Blick zu und erkannte aus dem Augenwinkel, dass auch Naghûls Miene durchaus zweifelnd wirkte. Cebulon hingegen musterte die Athar eine Weile, der Ausdruck seiner Augen schwer zu deuten, am ehesten nachdenklich.
„Das ist eine beachtliche Einladung“, sagte er dann ernst. „Seid Ihr denn überhaupt ermächtigt, sie auszusprechen?“
Jana blinzelte, offenbar überrascht ob der Frage, und dachte eine Weile nach, ehe sie antwortete. „Ja ... ja, das bin ich ... ähm, sicher.“ Sie klang jedoch alles andere als überzeugt dabei.
Cebulon hob abermals sachte die Brauen. „Ich verstehe. Ich muss zugeben, ich wäre nie auf einen derartigen Gedanken gekommen. Und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass man mich im Zerschmetterten Tempel willkommen hieße. Wobei ich natürlich zugeben muss, ich würde meinen alten Freund Terrance gerne noch einmal sehen.“
„Ich … also, ich denke schon, dass Terrance Euch willkommen heißt“, erwiderte Jana. „Aber, also … Ihr müsst Euch nicht gleich entscheiden. Lasst Euch … die Einladung bleibt bestehen so lange wie …“ Sie verhedderte sich ein wenig in ihren Worten und verstummte.
Morânia seufzte innerlich. Den Hohepriester einer Gottheit in das Hauptquartier der Athar einladen ohne es vorher mit dem Bundmeister geklärt zu haben … Jana war einfach immer für eine Überraschung gut.
Cebulon wirkte nun noch etwas nachdenklicher und nickte dann. „Nun gut, danke sehr. Ich werde darüber nachdenken.“
„Das ist weit mehr, als ich erhofft hatte“, erwiderte Jana lächelnd. „Danke.“
Der Patriarch blickte daraufhin wieder in die Runde. „Gibt es davon abgesehen noch etwas, das mein Tempel oder ich selbst für Euch tun können?“
Jana schüttelte den Kopf. „Ich bin sehr dankbar, dass Ihr mir zugehört habt und möchte Euch nicht noch mehr von Eurer Zeit stehlen.“
Auch Morânia, Lereia und Kiyoshi verneinten, doch Naghûl räusperte sich.
„Ähm … ja, doch. Eine Kleinigkeit gäbe es da. Nun, wie Ihr wisst, ich bin Sinnsat, Herr. Und ich habe eine wundervolle, im Multiversum vielleicht fast einzigartige Erfahrung gemacht. Daher wollte ich fragen, ob ich – oder eher wir – ein Andenken des Tempels haben könnten. Hier hat sich viel zugetragen und ich bin diesbezüglich etwas sentimental, wenn man es so nennen will.“
Cebulon schmunzelte. „Ihr Sinnsaten seid ein interessanter Haufen. Aber dagegen spricht natürlich nichts.“ Er überlegte kurz. „Wartet, ich denke, ich habe da etwas.“
Er ging zu einem kleinen Schränkchen aus hellem Goldholz, öffnete es und holt eine schmale Schatulle heraus, mit der er wieder zurück kam. Er öffnete sie und reichte allen Anwesenden – außer Jana – eine schöne Brosche aus Weißgold. Sie hatte die Form eines Sterns und war mit kunstvollen Gravuren verziert.
„Dies sind geweihte Amulette der Mishakal, die wir als Dank- oder Segenszeichen vergeben“, erklärte er.
Naghûl nahm es aufgeregt und neugierig entgegen und verneigte sich tief. „Sie ist wunderschön. Ich danke Euch!“
Auch Morânia, Lereia und Kiyoshi nahmen die Gabe lächelnd an und bedankten sich mit einer Verbeugung.
Cebulon nickte freundlich und sah dann, ernster, zu Jana. „Ich gehe nicht davon aus, dass Ihr eines wollt?“
„Ich ... gehe nicht davon aus, das Euch recht wäre, was ich damit anstellen würde“, erwiderte die Athar nach kurzem Zögern.
Der Patriarch klappte die Schatulle wieder zu. „Wohl eher nicht“, erwiderte er, reservierter als zuvor.
Morânia warf Jana einen kopfschüttelnden Blick zu, und die Hexe schaute etwas beschämt drein. „Bitte entschuldigt.“
„Wenigstens bist du ehrlich“, kam Naghûl ihr zu Hilfe.
Cebulon seufzte etwas. „Das stimmt. Nun denn: Ich danke Euch für Euren Mut und Euren Glauben an das Gute. Habt eine sichere und angenehme Heimreise. Mishakal segne Euch.“ Mit einem kleinen Schmunzeln blickte er zu Jana. „Die meisten von Euch, verzeiht.“
Naghûl und Morânia konnten sich ein Grinsen bei seinen Worten nicht verkneifen, und sogar die Hexenmeisterin lachte ein wenig. Dann verneigten sie sich zum Abschied und wollten sich schon auf den Weg zum Ausgang machen, als Cebulon sich noch einmal an Jana wandte.
„Ach, Verlorene …“
Sie blieb stehen und sah noch einmal zurück.
„Wusstet Ihr, dass alle Vorsteher dieses Klosters Abgesandte der Mishakal sind?“
„Nein, das wusste ich nicht“, erwiderte Jana arglos, doch Morânia hielt inne, drehte sich um und starrte Cebulon ungläubig an.
„Was!?“
Der Patriarch lächelte nur kurz und nickte dann. „Ja.“ Mit diesen Worten wandte er sich um und verschwand im hinteren Teil des Sanktums.
Entgeistert sah Morânia ihm nach, und sie konnte erkennen, dass Naghûl nicht weniger perplex war. Diese Information war ihnen beiden neu gewesen, und was daraus gefolgert werden musste, war durchaus unerhört.
„Unfassbar …“, murmelte die Bal'aasi leise.
„Wieso?“, meinte Jana stirnrunzelnd. „Was genau ist ein Abgesandter? Ähm, heißt das, er wird nicht nach Sigil kommen?“
„Das weiß ich nicht“, entgegnete Morânia kopfschüttelnd. „Ich weiß nur, dass … Lasst uns erst einmal hinausgehen.“
Ihr war klar, dass auch Lereia und Kiyoshi wahrscheinlich nicht ahnen konnten, was Cebulons letzte Aussage bedeutete, aber dass das Innere des Conclave nicht der geeignete Ort war, es zu erklären.
Jana nickte leichthin. „Na ja, ist vielleicht besser so. Ich weiß eh nicht, wie ich das meinem Bundmeister hätte beibringen sollen. Immerhin hat er einen Moment darüber nachgedacht.“
Die Hexenmeisterin wirkte merkwürdig fröhlich und beschwingt ob dieser ganzen Geschichte und Morânia wechselte einen kurzen Blick mit ihrem Mann, der ebenso ungläubig wirkte wie sie selbst. Nachdem sie den Tempel verlassen hatten, atmete die Bal'aasi einmal tief durch und ließ den Blick über den idyllischen Vorplatz des Klosters schweifen. Ein Stück entfernt, unter einem blühenden Akazienbaum, sah sie Sgillin sitzen, der sich eine Pfeife angezündet hatte und entspannt ein in der Nähe grasendes Einhorn beobachtete. Sie beneidete ihn in diesem Moment um die innere Ruhe, die er offenbar gerade gefunden hatte.
„Ich bin fassungslos, ernsthaft“, murmelte sie.
„Was ist denn nun ein Abgesandter?“, fragte Lereia vorsichtig.
„Ein Abgesandter ist ein Diener, aber auch Auserwählter einer Gottheit“, erklärte die Bal'aasi. „Ein bisschen wie ein Paladin. Ein heiliger Krieger wird auch direkt von einem Gott berufen. Aber Abgesandte stehen noch einmal eine Stufe darüber ... eine sehr hohe Stufe. In etwa so wie ein Hohepriester über einem Novizen.“
Jana hob die Schultern. „Also ein besonders wichtiger Prediger. Ja, und?“
Morânia spürte, wie die Arglosigkeit – vielleicht aber auch gespielte Arglosigkeit – der Hexenmeisterin sie zu reizen begann. „Nein, viel mehr als ein wichtiger Prediger“, erwiderte sie. „Sie besitzen besondere, sehr machtvolle Gaben, die ihnen ihre Götter schenken. Sie sind Sterbliche, die von den Göttern auf besondere Weise geliebt und ausgezeichnet werden. Nur jene mit dem stärksten Glauben ... Ja, verstehst du denn nicht, was das heißt? Was das bedeutet, wenn Cebulon sagt, alle Vorsteher hier sind Abgesandte?“
Lereia weitete die Augen, offenbar begreifend, doch Jana hob nur abwehrend die Hände. „Ich verstehe wirklich nicht. Was auch immer jetzt ein Abgesandter genau ist, warum ist das so wichtig?“
Morânia vergrub kurz das Gesicht in den Händen. „Bei den Göttern, Jana, das bedeutet, dass dein Bundmeister früher auch ein Abgesandter von Mishakal war! Und davon habe ich persönlich noch nie gehört. Das ist offenbar nicht sehr publik in Sigil.“
Etwas hilflos schüttelte die Hexe den Kopf. „Ja, aber ich weiß doch, dass Terrance früher ein mächtiger Kleriker war. Und jetzt weiß ich, dass er noch etwas wichtiger war, als ich dachte?“
Die Bal'aasi seufzte tief. Womöglich wusste Jana tatsächlich nicht, was an dieser Sache so bemerkenswert war. Wobei Morânia fand, als eine Athar hätte sie es wissen sollen. Sie bemühte sich dennoch, sich wieder zu beruhigen. „Ich bin ... einfach nur sehr überrascht“, erklärte sie. „Ich fand es schon immer unglaublich, dass ein Hohepriester der Mishakal zu den Athar geht. Aber einer ihrer Abgesandten ... also nein.“
„Ich denke, ich kann einen Vergleich anbringen, um das zu erklären“, kam Naghûl ihr zu Hilfe. „Jana, was denkst du, wie wichtig Askorion für Terrance ist?“
„Das weiß ich nicht genau“, entgegnete Jana misstrauisch. „Und es geht mich auch nichts an. Und dich schon gar nicht!“
Morânia merkte ihrem Mann an, dass auch er angestrengt war, doch er atmete tief durch.
„Ich will Askorion nicht zu nahe treten“, versicherte er. „Es geht nur um ein Beispiel.“
„Also schön“, lenkte Jana ein. „Ich weiß aber wirklich nicht, wie wichtig Askorion für Terrance ist. Er nimmt ihn mit zum kommenden Tag der Schmerzen, also ...“ Sie hob die Schultern. „Ziemlich wichtig, vermute ich?“
Naghûl ließ ein leises Pfeifen hören. „Oho, somit vertraut er ihm sehr. Also gut, dann gibt es nicht viele, die Terrance so nahe stehen. So, nun nehmen wir an, Askorion geht morgen zu Terrance und sagt: Ich verlasse die Athar und gehe lieber zu den Gläubigen der Quelle. Ich will nämlich ein Gott werden.“
„Das ist absurd!“, begehrte Jana auf.
„Das ist, im umgekehrten Sinn, genau das, was Terrance getan hat“, erklärte Morânia.
Die Hexenmeisterin sah sie verständnislos an. „Terrance ist zu Mishakal gegangen und hat ihm gesagt, dass er ein Gott werden will?“
Die Bal'aasi spürte, wie ihr bei dieser Bemerkung die mühsam wieder erlangte Fassung rasch und vollständig entglitt. „Ihr! Mishakal ist eine Göttin!“, fuhr sie Jana an. „Und jetzt stell dich nicht so dumm!“
Sie war nun ehrlich wütend ob der Ignoranz der Hexenmeisterin, ob sie nun gespielt war oder nicht. Lereia hustete kurz und begann, in ihrem Rucksack zu kramen, wobei sie einen Schritt zur Seite trat, offensichtlich um ja nicht in der Schusslinie dieses Gespräches zu sein.
Missbilligend schüttelte Naghûl den Kopf. „Es ist wirklich hart mit dir, Jana, weißt du das?“
Die Hexe hob die Schultern. „Was auch immer Mishakal ist, eine Göttin ist sie ganz sicher nicht.“
Mit einem leise gemurmelten „Oha“ vertiefte Lereia sich noch weiter in ihrem Rucksack. Morânia spürte die Flammen eines heißen Zorns in sich auflodern. Fast unwillkürlich trat sie einen Schritt auf Jana zu.
„Du wirst jetzt aufhören, einer Göttin des Guten in ihrem eigenen Reich zu lästern oder ich vergesse mich!“
„Dann gehen wir doch einfach.“ Jana verschränkte die Arme und biss sich auf die Unterlippe, sah Morânia aber nicht mehr in die Augen. „Ich finde, wir sind eh schon viel zu lange hier.“
„Ja, gehen wir“, versetzte Morânia wütend und ging in Richtung des Akazienbaumes, um Sgillin abzuholen. Definitiv zog sie im Moment das Gespräch mit dem Anarchisten dem mit der Athar vor.
„Ich beginne mir Sorgen zu machen“, hörte sie Naghûl, nur halb im Scherz, zu Lereia und Kiyoshi sagen. „Wenn Jana so weitermacht, wird sie nicht mehr lange unter uns weilen.“
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gespielt am 7. September 2012
Sgillin wartete vor dem Kloster, weil sein Spieler an diesem Abend nicht da war.




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